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Speeren mit Taupiri

Speeren mit Taupiri

20:30 Taupiri, der Vater der ganzen Kinderhorde gilt als einer der besten Taucher der Gegend. Rose, seine Frau spricht von Tiefenrekorden bis zu 40 Meter und bis zu sieben Minuten. Ob das nicht schaedlich ist, frage ich mich als ich ihr zuhoere. Natuerlich alles Apnoe, also Freitauchen ohne Druckluftflasche.

Gefischt wird aber nur etwa einmal die Woche, denn die Familie hat keine Kuehlmoeglichkeiten um Unmengen Fisch frisch zu halten bis das kleine Fischerboot kommt, dass auf allen Inseln die Fischertraege einsammelt, dauert es eben. Hier wird dann der gefangene Fisch gegen Benzin getauscht oder bestellte Ware geliefert. Im Moment ist Zackenbarschzeit, Merou. Nur fuer einen Monat im Jahr stehen diese zu hunderten im Pass wenn zweimal am Tag die Tide zwischen auslaufendem Wasser und einlaufendem Wasser wechselt.

Zwischendurch kommen die Soehne auf die LADY und hoeren ueber unser SSB, dass das lang erwartete Fischerboot doch heute Nachmittag kommt. Jetzt wird es hektisch. Nur noch wenige Stunden bleiben zum Fischen, zum Speeren mit der Harpune. Alles was Beine hat muss mitkommen, die drei Soehne, der Vater, Natale und ich finden uns ein paar Minuten spaeter im Pass wieder. Unter uns in 15 Meter Wassertiefe etwa 10 Weissspitzenhaie. Von den Merous sehe ich keinen. Der Vater faengt an mit den Soehnen zwischen den Haien zu speeren und jetzt sehe ich die Merous auch. Langsam gleiten die Maenner in die Tiefe, verharren dort, zielen und treffen einen dieser etwa 4kg schweren Fische hinter die Kiemen. Sofort kommen die Hai, lassen aber den Fisch in Ruhe, suchen nur unter den Steinen nach Ueberresten. Na ja, denke ich mir. Natale winkt ab. Das ist ihr zu tief. Mir auch, aber ich will natuerlich nicht den Schwanz einziehen, nehme allen Mut zusammen und tauche runter. Dort angekommen hab ich natuerlich nicht so viel Zeit wie die einheimischen Berufsharpunierer. Schuss. Daneben und jetzt aber schnell wieder hoch. Beim Auftauchen dehnt sich die Luft in der Lunge wieder aus und man verliert den Atemzwang. Gut. Haie haben mir auch kein Bein abgebissen. Gerade schreit Taupiri einen Hai unter Wasser an um ihn zu vertreiben. So einfach ist das, wie im wirklichen Leben.

Nach ein paar weiteren Fehlschuessen gelingt es mir auch richtig zu zielen, zu treffen und einen Merou an die durchgeschnittene Plastiktonne zu bringen, die im Wasser schwimmt. Dort wir der Fisch gesammelt, damit er nicht im Wasser schwimmt und weitere Haie anlockt. Der Unterschied zwischen Selbsversorgung und dieser Fischerei ist, dass man nicht aufhoert, wenn man genug zu Essen fuer Frau und Kind hat, sondern so lange speert bis das Boot kommt, dass die Fische abholen soll. Nach einer halben Stunde kann ich immer laenger unter Wasser verweilen, treffe immer sicherer und sehe nur noch Meroufische, sonst nix. Jagdfieber? Nein. Nach etwa 10 Fischen breche ich ab, weil ich eine Pause an Bord der kleinen Familienlancha brauche. Dort tummeln sich die Fische auf dem Boden. Etwa 150 Fische sind es am Abend, die wir an Land bringen. Dort werden sie zu Viererpacketen verschnuert und fuer das Fischerboot zurechgelegt. Ausgenommen und geschuppt wird der Fisch nicht. Mal wieder viel gelernt habe ich.

Am Nachmittag tummeln sich die drei Toechter zwischen sieben und elf Jahren auf der Lady, Natale lackiert Fingernaegel, die Aelteste bespricht Frauenangelegenheiten mit ihr. Sie traegt jetzt naemlich schon einen BH, ohne ihn eigentlich zu brauchen. Taupiri kommt vorbei und zeigt stolz das Fass Benzin, dass er fuer den Fisch ergattert hat, fuer den Abend werden wir eingeladen zur Familie zu kommen.

In der Kueche sitzen alle an einem grossen Tisch, mit ebensoviel Trara werden wir begruesst. Es gibt Languste, Spagetti mit Corned Beef und Reis. Von Fisch ist nichts zu sehen, alles auf dem Fischerboot verschwunden. Nur der Vater bekommt Fisch, allerdings isst dieser aus Gastfreundschaft erst nachdem wir irgendwann in der Nacht nach Hause gehen werden.

Doch jetzt werden die Gitarre herausgeholt, sowie zwei Ukulele, die eigentlich nach dem gleichen Prinzip funktionieren, aber 8 Saiten haben, die in Zweiergruppen gespielt werden. Der Resonanzkoerper besteht aus Vollholz mit einem Holzbecher, der den typischen Suedseeklang gibt. Die Instrumente wechseln staendig zwischen den drei Soehnen, Vater und Mutter, es wird gesungen und die aelteste Tochte Fanaarri tanzt dazu polynesischen Tamure. Die Zeit rennt an uns vorbei und irgendwann bringt uns Mana zu unserem Beiboot. Der Tag hat uns umgehauen mit all seinen Aktivitaeten. Natale stehen mal wieder die Traenen in den Augen und ich frage mich wie wir hier den Absprung schaffen sollen nach Tahiti. Die Taupiris machen es einem nicht einfach.



  • 20:30
  • 11.07.2003
  • 15°48.22, 146°09.07'W
  • Toau/Tuamotus
  • 28°C
  • NE 3
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