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Freunde

Gegen abend holt mich Benson ab. Ich soll seine Freunde kennenlernen. Benson wechselt auch unser Geld um es irgendwie und wundersam zu vermehren. Blackmarket. Benson ist auch Black aber mehr mit Schokoladenton. Eigentlich ist Benson nett, mit dicker Goldkette um den schokussnussfarbenen Hals, Goldrandbrille, diversen dicken Ringen an der Hand und unter den Augen. Benson spricht leise, ich muss mich immer ein bisschen zu ihm rueberbeugen, weil ich doch erbtechnisch schon mal etwas schwerhoerig bin.

Ich freue mich endlich mal ein bisschen aus dem Hafenbecken rauszukommen. Benson faehrt Zickzack durch die Berge, professionell immer einen Blick im Rueckspiegel. >>Because, de la police.<< Ich frage mich was die Polizei an mir interessiert, vor allen Dingen die auf den Seychellen und komme zu Schluss, dass das wohl eher mit der Goldkette zusammenhaengt. Die Haeuschen der Locals, die sich den steilen Hang hoch hinziehen sind allesamt weiss gestrichen und gar nicht arm. Hier ist ueberhaupt keiner arm. Es gibt keine Slums, keine Penner und alle sind besser angezogen als ich, der etwas verranzte Fahrtensegler. In einer unfertigen Garage sitzen wir dann. Benson und die anderen Namen habe ich vergessen. Alle sehen aus wie aus einer NY HipHop Band. Die gestrickte Muetze in Jamaicafarben, das Tatoo auf dem Arm, der dunkle Blick unter der Jeansstoffmuetze und neben mir ein ganz nervoeser, der immer mit dem Knie wackelt. Wir unterhalten uns, trinken Coca Cola. Einer macht ne Gemeinschaftszigarette. Ich fuehl mich noch nicht so ganz warm mit den Bruedern. Es wird dunkler, aber die Strassenlaterne leuchtet bis unter das Dach der zu den Seiten offenen Garage. Blablabla, ich quassel die Jungs zu, frag mich durch, wie der eine von ihnen, zehn Jahre juenger als ich zu der Villa ueber meinem Kopf kommt. Seeblick, bestimmt 150 qm Wohnflaeche, riesiger Garten. Jaja, die Bank. Und versichert ist er auch. Klar. Von der Krankenversicherung ueber Unfallversicherung bis zur Sargversicherung, das ganze Programm. Wie in Old Germany, haben die Banken und Versicherungen hier alles im Griff. Ja, und beruflich hat er ein Boot, ein paar Tauchflaschen und taucht nach Seegurken. Aha. Das reicht fuer die monatlichen Zahlungen in den naechsten dreissig Jahren? Seegurken, vielleicht waere das ja auch was fuer meine Zukunft ;-) Der Himmel wird immer dunkler, die Hunde klaeffen, jede Haus am Hang hat mindestens einen Hund, alle Fenster haben Gitter, die Hunde klaeffen weiter, einer hat angefangen, jetzt klaeffen alle. Was ein Radau. Cool, links von mir und Hibbel, rechts von mir uebernehmen das Gespraech und erklaeren mir die politische Situation der Insel. Die Seychellen muessen alles impotieren, das frustet, weil alles teuer ist. Alles was impotiert wird muss in harter Waehrung bezahlt werden. Die kommt aber nur durch Export. Was exportieren denn die Seychellen frage ich und Cool sagt: >>Yeah man. You know. Very difficult.<< Dann senkt sich sein Blick und er erklaert mir, dass die Thunfischflotte (das sind mindestens 10 Schiffe um die hundert Meter, hochmodern mit Fabrik an Board, vollgestopft mit Elektronik) einer franzoesischen und einer spanischen Company gehoeren. Die zahlen fuer die Fischereilizenz, aber der Gewinn aus den Faengen geht nach Europa. Die grossen Hotels, dass Meridian Z.B. die in der Saison die Touris im Dreiwochenrythmus melken, bringen den Gewinn auch Ausserlandes. So geht es weiter ueber die Telefongesellschaft Cable & Wireless, Hertz und Avis bis zum deutschen Katamaran der hier mit Lizenz charter faehrt. Klar es gibt natuerlich auch Arbeitsplaetze, aber die Loehne werden in Ruppe ausgezahlt. Den Locals ist der Besitz von Dollar untersagt. Benson schaut mir tief in die Augen, dass mir ganz anders wird und das folgende Gespraech kann nicht wiedergeben. Mir wird zwar nichts angeboten aber doch klar gemacht, wie man auf den Seychellen ganz schnell ein reicher Mann werden kann. Vor allen Dingen mit eigener Yacht, auslaendischer Flagge und Kleinguetertransporten nach Afrika, Thailand und Indien. Ich verstehe den Wink mit dem Zaunpfahl und mein Gehirn rast auf Hochtouren, wie komme ich denn jetzt verdammt noch mal schnell aus der Garage raus und auf meine LADY, aber Benson und seine Freunde sind lieb, hoeren mir brav zu als ich Ihnen erklaere, dass ich innerlich ein Spiesser mit Frau und kleiner Tochter bin und nur durch meine Groesse mutig aussehe. Ich erklaere ihnen, dass ich immer schon gerne weggelaufen bin, schon als kleines Kind und dass ich auch gar nicht reich werden will. Ich bin ja auch so reich: Frau, Tochter und Segelboot. Das reicht doch zum Leben. Wozu schnell Geld verdienen. Einmal erklaeren reicht nicht. Hibbel legt noch einen filmreifen RAP-Dance mit Argumenten hin, der mich echt beeindruckt. Erzaehlt mir die wildesten Geschichten aus seinem Leben. Aber irgendwann, erkennen die vier Jungs aus den Bergen der Seychellen, das es keinen Sinn macht. Ich bin nicht Ihr Mann, zumindest nicht heute nacht. Ich nehme mir zwischenzeitlich vor ihnen die Gelegenheit zur Gehirnwaesche nicht noch einmal zu geben. Sie bringen mich brav nach Hause, mir faellt ein Stein vom Herzen und morgen gehe ich in die Kirche. Uff.






  • 22:10
  • 26.06.2006
  • 04°37.54S, 055°27.49E
  • Mahe/Seychellen
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  • 27°C
  • 2-3 S
  • -

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