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Experiences

Die S LA CARDINALA ist 25 Tonnen schwer. Zwei Generatoren, zwei Wassermacher, zweihundert Liter pro Stunde, zwanzig Meter lang, mit allem, was man braucht um zu vergessen, dass man nicht gerade im eigenen Wohnzimmer sitzt. Eine Holzyacht und weit ueber fuenf Meter breit. Dickschiff, kann man sie nennen. Italienisches Design. Klar, dass ich natuerlich heiss darauf bin mal einen Schlag nach draussen zu machen.

Berufsskipper Aurelio stimmt zu, am Samstag holt er mich mit dem Dinghy ab. Wenn ich nur nicht gerade vom gestrigen Gang um die Haeuser einen so dicken Schaedel haette. O.K. Ich packe noch schnell das Angelzeug ein und schon ist die CARDINALA aus dem Hafenbecken raus. Draussen, zwanzig Knoten Wind, 4 Meter Welle von der Seite. Das letzte Bier von gestern steht in der Speiseroehre und will falsch rum raus. Moment mal. Ich schlucke und es geht wieder. Aurelio rollt die Genua halb raus, haengt sich ins Achtercockpit und schlaeft ein. Die CARDINALA segelt mit 8 Knoten durch die See. Die Bewegung ist ruhig, mayestetisch. Wenn die hohen Wellen unter dem Rumpf durchziehen hebt sich das Heck sanft ein paar Meter in die Hoehe und wieder runter. Ich schlucke wieder und haenge die Leinen mit den Koedern ueber das Heck.

Wassermachen. Im Hafen ist das Wasser zu dreckig, deshalb der vierstuendige Trip ohne Ziel, am Wind, Wende und wieder zurueck. Der Generator brummt leise. Die Manschaft der CARDINALA haengt verstreut auf dem riesigen Schiff herum und pennt. Allesamt. Es ist ein bisschen schwierig sich auf dem Deck und unter Deck zu bewegen, die Bewegungen sind weicher als von der LADY aber auch kraftvoller. Im Wohnzimmer unter Deck gibt es natuerlich nix zum festhalten, also keine Relingslaeufe oder sonstiges. Problem. Bei schwerer See kann man nur an den Waenden langkrabbeln. Aber vielleicht ist das ja auch nur Gewoehnung.

Der Generator brummt immer noch, eine Wolke Schwalben taucht auf und ein Bonitothunfisch zuckelt an der Leine. Hmm. >>Verwoehnter Wnuk. Besser ein Fisch als kein Fisch.<< ranze ich mich selbst an. CARDINALA segelt ruhig weiter. Die Crew, dass sind keine Freunde. Schon nen Unterschied zu all den anderen Booten die man so kennenlernt mit den Jahren. Bei den Cruisern gehen zwei oder mehr Menschen, die gut miteinander koennen. Zumindest am Anfang. Und wenn die erste Huerde, der Atlantik geschafft ist, dann geht es meist fuer Jahre. Da ist Zusammenhalt, Liebe, Freundschaft und was auch immer im Spiel. Auf der CARDINALA geht es eher zu wie in einem kleinen Handwerksbetrieb. Fehlt nur die Bildzeitung auf dem Mittagstisch. Der Wert der Unterhaltung, bedingt durch die Thai-, Italien-, Maledivensprachblockade, gutes Englisch spricht keiner, ist dementsprechend. Keiner versteht keinen richtig, alle ein bisschen und der Kapitaen ist ranzig, weil keiner seine Befehle ausfuehrt. Wie aber auch, wenn keiner sie versteht? Grunz. La CARDINALA ist das mit der Kommunikation ziemlich egal. Sie segelt italienisch stolz den Kurs weiter, den der Autopilot vorgibt. Kaptain drueckt mal auf diesen oder jenen Knopf, eine der Megagrossen Winschen dreht sich hydraulisch. Die Segel werden auch hydraulisch ein- und ausgrollt, mit Hand geht hier gar nix. Sportlich will hier auch keiner sein. Oy spielt Solitare am Navigationsrechner unter Deck, Abdul liegt im fuerstliche Mittelcockpit und denkt an Allah, seine vier Kinder und die dreitausend Dollar die der Eigner noch nicht ueberwiesen hat, weil es auf den Malediven keinen SWIFT Code gibt. Das Kinder in Malediven Hunger haben, kann also unmittelbar mit dem SWIFT Code Problemen eines italienischen Bankmitarbeiters in Milano zusammenhaengen. Vollkommen normal. CARDINALA segelt auch die Wende unter Autopilot. Steuerraeder und Winschen sind also nur noch zu polierender Schnickschnack. Oder man baut sie ganz ab, weil sie eh nur Platz verschwenden. Auf dem Weg zurueck wird die CARDINALA wieder vierhundert Liter Wasser produzieren, Oy fallt eine Kekskiste auf dem Kopf, dass sie blutet, Aurelio guckt weiter grimmig und erzahlt mir von seinen feuchten last night Erlebnissen mit einer Hafenschwalbe und Abdul macht weiter alles falsch. Aber: Er macht was. Und. Dickboot? Zwanzig Meter? Dazu muss man reich sein, was ich nach einem Blick in meine Geldboerse im Moment definitiv nicht bin. Morgen ist Sonntag. Ausruhen, die LADY fit machen fuer zehn Tage ohne den Skipper. Auch mal was. Die arme, setzt schon gruen am Wasserpass an. Versprochen, wenn ich aus Asien wiederkomme segeln wir nach La Dique, eine Insel 20 Meilen von hier. Da ist auch besseres Wetter, nicht so viel Rummel und Papi ist auch wieder mehr zu Hause ;-)






  • 18:00
  • 01.07.2006
  • 04°37.54S, 055°27.49E
  • Mahe/Seychellen
  • -
  • 27°C
  • 2-3 S
  • -

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