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Leben und leben lassen

Wenn Maya auf meinem Bauch liegt, wir gemeinsam dem Leben einen Moment entreissen, der ganz alleine uns beiden gehoert, den uns keiner wegnehmen kann, dann wird mir ganz warm ums Herz, dann vergesse ich die kleinen und vielleicht noch kleineren Probleme dieses Tages. Da verstehe ich meinen Freund Rossi, Vater des kleinen Noahs, der mir in manchen Momenten der Welt so entrueckt vorkam, seine Mails Erlebnisse und Gefuehle schilderten, die so an der Hektik, dem Stress und den Mitmenschenmenschlichen vorbeizogen. Jetzt erlebe ich das selber und fange an eine unheimliche Kraft aus dieser Spielart der Natur zu gewinnen, die ich bis dahin noch nicht in meinem Leben mitgespielt hat. Es hat etwas von einem Rueckwaertzfallen ins tiefe Blau des Atolls Toau in den Tuamotus, wenn der alte graue Delphin vorbeikommt und einen minutenlang eng und enger umkreist, ploetzlich klar ist das das Zentrum des Lebens vielleicht doch nicht nur durch den eigenen Horizont begrenzt wird, sondern Leben von Leben lassen kommt, nah verwandt mit fressen und gefressen werden.

Der Tag beginnt und endet mit drei Grafikdateien in Photoshop fuer Freunde aus dem fernen Europa. Jeder Grafiker weiss, was es heisst mit 500 Megabyte den Speicher zu belegen. Warten, speichern und wieder warten. Das Mass Zeit wir sinnlos zu beschreiben, jeder auch noch so kleine Fehler hat grosse Folgen. Ich habe Spass. Mein absolutes Lieblingsprogramm. Die zweite Haelfte verbringt die junge Familie irgendwo in Georgetown in der Naehe eines WiFi Wireless Internetknoten. Natale laesst Maya mit Papa zurueck und das findet die Dame gar nicht nett. Wieder Papas Bauch. Computer sind doof, meint zumindest unsere neue Vorschoterin, wobei ich ihr das Gegenteil nicht vermitteln will. Natale geht endlich schoppen, was mit mir nicht moeglich ist, denn beim Wort >>Shopping Mall<< fange ich gemeinsam mit Maya an zu schreien. Nen bisschen dumm eingerichtet von Mutter Natur, dass nur Natale die Milch hat, Maya will das noch nicht so ganz verstehen. Mama kommt nach anderhalb Stunden zurueck, ein dickes Lob auf den Lippen, dass das Kind so suess im Korb schlaeft, sie weiss ja nichts davon, was ich neunzig Minuten auf Trab gehalten worden bin. Tja, so kann es gehen. Veraenderung von Weltanschauungen. Ich fuehre mein erstes Telefonat mit www.skype.com und bin wirklich begeistert. Das haette ich nicht gedacht, dass die Internettelefonie sich so weit entwickelt hat. Klar und deutlich stehen meine Freunde in Europa ploetzlich neben mir und kotzt nix. Prima Wurst! Das machen wir doch noch mal. Hey Vatern, geh da mal rein. Und wieder ist die Sonn untergegangen, keine Ersatzteile gegen die Totenstille der Optimusbrenner aus der Schweiz angekommen. Ja. Ich muss zugeben, dass ist ein wirkliches Problem. Beide Brenner sind leck und nicht mehr zu gebrauchen. Mit dem Marinastrom kochen wir auf einer einsamen elektrischen Platte. Die Bestellung fuer die >>Neuen Brenner<< ist vor drei Monaten rausgegangen, eine fehlerhafte Lieferung erfolgt und jetzt sitzen wir auf Wartestellung fuer Abstandshuelsen und Muttern aus M14 Feingewinde. Das koennen die hier nicht. So weit zum >>Ready to go<<. Nix geht und seit der Geburt von Maya geht es rueckwaertz mit den Vorbereitungen zum >>Ankerauf<<. So langsam verstehe ich den Gruss der rheinischen Bergleute. >>Glueckauf<<






  • 23:41
  • 15.06.2005
  • 05°21.34'N, 100°18.96E
  • Pulau Penang/Malaysia
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  • 2 SW
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