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Zahlemann und Soehne

Zahlemann und Soehne

13:30 Den Ankergrund konnten wir leider in der Dunkelheit gestern nicht mehr berurteilen. Dementsprechend rasselte die Kette wie Huibuh, das Schlossgespenst, die ganze Nacht ueber die Steine. Die Fernbedienung der Ankerwinsch hing dann schlussendlich durchs Vorluk in die Koje und wer immer vom Scheppern geweckt wurde, liess ein paar Meter Kette nach.

Der Morgen aber brachte Abhilfe. Anker auf und ein paar Meter weiter auf Sandboden neues Manoever. Alles bestens. Das Wasser ist glasklar, bis auf 13 Meter Tiefe koennen wir unseren Anker mit den Augen verfolgen, ein kleiner Hai umkreist neugierig die Kette. Unser Schiff wird schnell als Schattenspender erkannt und ein riesiger Schwarm Brassen tummelt sich unter der Iron Lady.

Auch die Zwantje trudelt im Laufe des Vormittags ein und gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Capitania. Wie nicht anders zu erwarten, wollen auch die Herren hier wieder tief in unsere Taschen greifen. Gut, dass wir uns vorher genau erkundigt haben, was hier zu zahlen ist, Ca. 3 Dollar fuer die Auslaufgenehmigung zur naechsten Insel. Doch der Capitano will uns noch mal zusaetzlich 20 Dollar Ankergebuehr abknuepfen, die wir laengst in San Cristobal bezahlt haben. Verhandlungen, Verhandlungen. Ich weiss mittlerweile, wie man auf suedamerikanisch Rabbatz macht. Sein Anliegen 4 mal hintereinander vortragen, Lautstaerke steigend. Die Jungs geben sich geschlagen, rufen in Cristobal an und muessen achselzuckend zugeben, dass wir recht haben. Glueck gehabt.

Na ja, so halb, denn wir stellen fest, dass uns hier, was Ausfluege anbetrifft, die Haende gebunden sind. Selbst in die beruehmte Postoffice Bay, in der der Wahlfaengerbriefkasten steht, duerfen wir nicht ohne Begleitung, und die kostet natuerlich. Zwischen 30 und 200 Dollar pro Tag. Auch die Tauchplaetze und Pinguinbuchten im Norden verlangen einen Fuehrer.

Soweit so gut, ein bisschen genervt von den staendigen Diskussionen mit den Behoerden, machen wir uns schliesslich auf den Weg zu Haus der Familie Wittmer. 1932 kam Magret Wittmer mit ihrem Mann und dessen Sohn auf der kleinen Insel Floreana an, um zu siedeln. Eine Hoehle, ein paar Konserven und Werkzeug standen am Anfang, das Ende ist eine der erfolgreichsten Siedlergeschichten der Galapagos. Die Grand dame aus Koeln ist vor 3 Jahren im Alter von 97 gestorben, doch eine Tochter und eine Enkelin leben immer noch hier. Der Sohn hat zwei Boote und macht Fahrten fuer Touristen. In den 30er Jahren machte diese Insel weltweit Schlagzeilen, als ausser den Wittmers noch ein deutscher Arzt nebst Lebensgefaehrtin und eine deutsche Baronin mit mehreren Lakeien hier siedelte. Seltsame Todesfaelle, die nie geklaert werden konnten, mit denen die bodenstaendige Koelner Familie jedoch nichts zu tun hatte, erregten Aufsehen. Wer diese wirklich aufregende Siedler- und Lebensgeschichte gerne lesen moechte, Magret Wittmers Memoiren sind unter dem Titel >>Postlagernd Floreana<< in Deutschland erschienen.

Die Familie Wittmer ist eine Entschaedigung fuer all den Capitania-Aerger. Gastfreundlich werden wir empfangen, es wird gequatscht und gelacht, vor allem ueber die Oma, deren Geist immer noch ueber dieser Bucht zu schweben scheint. Die Tradition, komme, was wolle, um fuenf Uhr Kaffee mit den Gaesten zu trinken, wird fortgesetzt, auch wir sollen am Nachmittag wieder erscheinen. Erika, die Enkelin, taucht wieder auf mit einem Stapel Gaestebuecher, die sich wie das Who is Who des Fahrtensegelns lesen. Tausend bekannte Namen mit Bildern und Fotos reihen sich aneinander. Das aelteste Buch reicht bis ins Jahr 1972 zurueck.
Doch in den letzten Jahren ist es ruhig geworden im Gaestebuch, der letzte Eintrag liegt Monate zurueck, Oktober. Und auch im letzten Jahr haben sich vielleicht 10 Yachten eingetragen, mehr nicht. Es liegt an den buerokratischen Schwierigkeiten, dass viele Yachties die Insel nicht mehr anlaufen. Auch wenn es einfacher geworden ist. Gezahlt werden muss, und ob man nun wirklich 50 Dollar fuer das Cruisingpermit ausgibt, oder nicht, ist eben auch eine Frage der Bordkasse.

Wir sind auf jeden Fall schon wieder einigermassen besaenftigt, hier an diesem seglergeschichtstraechtigen Ort. Um drei lassen wir uns von einem Wagen mit hoch in die Berge nehmen, und danach geht es zum Koelner Kaffee.



  • 13:30
  • 04.03.2003
  • 01°16.40S, 090°29.48'W
  • Isla Floreana / Galapagos
  • 36°C
  • SE 1
  • -

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