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Tag 12: Es geht mir um Blut

Mitten drin in der Aplasie

Die Zeit nach Chemo nennt man Aplasie. Das ist die Zeit, wo sich der Patient ohne Immunsystem herumschlägt. Der Körper selber kann kein Blut produzieren, das Knochenmark ist zerstört, komplett und hoffentlich die bösen Zellen auch. „Die heutigen Chemotherapien sind wirklich super verträglich mit fast keinen Nebenwirkungen“, meint Dr. Helge und grinst. Er ist voll im Thema. „Nun. Nur hast Du noch nie eine Chemotherapie bekommen. Also weißt Du auch nicht wirklich, was die mit Dir macht.“ Mit mir macht die Chemotherapie ganz komische Sachen. Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen und das komplette Bett nass geschwitzt. Die erste Schwester die kommt, macht erst mal das Licht an. Push! Nimmt mir erst mal so gegen sechs Uhr ein paar Ampullen Blut ab. Wenn ich Glück habe über den zentrale Venenverweilkatheter, der in meinem Hals steckt und drei Schläuche hat, die direkt bis vor mein Herz führen. Wenn ich Pech habe, will die Schwester aber aus welchen Gründen auch immer, lieber Blut aus meinem Arm. Geweckt werden, mit einer Blutabnahme am Arm. Das ist meine Erinnerung schon an 2016. Ich wollte hier nie wieder hin. Ich wollte lieber sterben. Das Licht geht wieder aus. Was ich nicht weiß, dass mein Hämoglobin Wert über die Nacht inzwischen auf 6 abgesunken ist. Ein nicht vorhandenes Knochenmark kann kein Blut produzieren. Beim HB von sechs fühle ich schon ein akute Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Um acht kommt die Schwester mit dem Frühstück und bezieht mir das Bett neu, mit steriler Bettwäsche. Ich sitze am Tisch, schaue aus dem Fenster nach Dänemark, schlürfe an meinem Pfefferminztee, lese ein par Seiten von Guido Westerwelles Buch „Zwischen zwei Leben“. Ich beiße ein Stück von der hübschen genmanipulierte Rewe Biobanane ab, die nach nichts schmeckt. Unten vorm Haupteingang ist die Raucherkabine. Auf Krücken, im Rollstuhl, treffen sich schnatternd Kranke, zünden sich ihre Zigaretten an dem die Regierung 75% an Steuern einnimmt. Ich stehe auf, laufe Richtung Bad, um zu duschen, falle auf dem Weg dorthin ins Bett und schlafe sofort ein. Ich weiß ja nicht, das ich einen HB von sechs habe.

Ich werde wach weil mein Telefon schellt. „Hi Gerhard!“ „Wo steckst Du grade?“ „Im Krankenhaus in Flensburg!“ „Gut. Ich hab da mal ne technische Frage. Ihr verkauft doch auch die UUPlus Software…. Soll ich ihn unterbrechen? Ihm erklären, dass mein Kopf grade nicht funktioniert, weil mein Blut keine Zellen hat um den notwendigen Sauerstoff ins Gehirn zu produzieren. Bringt doch nichts. Ich stehe mit meinem Porsche Carrera auf dem Seitenstreifen des Nürburgrings. Leider ausgeschieden. Die Klappe zum Motor ist offen. Es raucht. Das Rennen geht weiter. Ist ja auch richtig so. Im gleichen Moment kommt mein geliebteste russische Ärtzin (Ironie) rein. Spricht mit mir, obwohl ich grade Gerhard am Telefon auf laut habe, der mir sein technisches Problem ausführlich schildert. Ich bin komplett überfordert, schaue auf die Uhr. „Herr Wnuk?“, geht es Ihnen gut? Die Antwort nicht abwartend verlässt sie das Zimmer. Ich denke an Dr. Helges Worte: „Am besten Du lernst serbisch oder russisch für die Woche, die ich im Urlaub bin. Gerhard redet immer noch. „Nein. So ein Problem hatten wir noch nie.“ „Dann mach’s mal gut. Danke das Du mir zugehört hast.“ Gerhard legt auf und ich bin wieder alleine. Ein Mailfenster geht auf und die Hausratversicherung teil mit, dass sie jetzt Akteneinsicht bei der Staatsanwalt beantragt hat, wegen dem Einbruchbdiebstahl’s in meinem Keller, bei dem für 5.000 Euro Kites entwendet wurden. Ausserdem hat sie einen Gutachter mit dem Fall beauftragt. Ich rufe die Nummer der Versicherung an, warte 10 Minuten in der Warteschleife und erkläre der Bayrische Löwenversicherungsdame, dass die Flensburger Polizei noch nicht einmal vorbeigekommen ist. Die Antwort auf den Punkt gebracht: 4-6 Monate Bearbeitungszeit. Es ist 15 Uhr. Das ist fast schon das Ende des normalen Krankenhaustagegeschehens.

Ich drücke auf den roten Knopf an meinem Bett. Nichts passiert. Nach fünf Minuten steckt eine nette Schwester, der Mundschutz schräg auf ihrem Gesicht, das Gesicht durch den kleinen Spalt der Türe, die sie diese notdürftig öffnet. „Wir sind nur zu zweit. Was gibt’s? Herr Wnuk? „Mir geht es nicht gut. Ich möchte gerne den Ausdruck meiner Blutwerte von heute morgen haben. Ich möchte einen Arzt sprechen.“ Zwei Minuten später habe ich den Ausdruck in den Händen. Ich brauche nicht blass zu werden. Ich schicke das Foto an Nathalie, die grade mit den Kindern und Oma bei Ikea in Kiel ist und Köttbullar vertilgt. „Du brauchst sofort eine Blutkonserve.“ Ist das meine Aufgabe, das den Ärzten zu sagen?“ „Nein. Aber es ist Dein Leben.“ Nathalie kann immer so nett direkt sein.

Ob Guido Westerwelle auch einen ganzen Tag auf eine Blutkonserve warten musste?



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