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Flaute

Flaute

20:28 Kaum ist der Tropical Storm vorbei, wabbern wir wieder auf dem Atlantik herum. Wo ist der stetige Passatwind, die lange Duenung, all die Sachen die immer in den Buechern stehen? Der Himmel ist weiterhin grau und wir stecken mitten drin. Ob uns der morgige Tag etwas Sonne und eine angenehme Segelbrise ringt? Ich wuensche es mir.

Als Bild heute in typisches Sat-Bild von gestern allerdings, mit dem wir die Wolkenbedeckung unseres Fahrtgebietes analysieren. Zusaetzlich gibt es noch Wetterkarten ueber Kurzwelle und Navtex, Barograph und die gute Nase. Die gute Nase, die wir inzwischen fuer andere Dinge ja schon haben, muessen wir fuer das Wetter wohl noch erst anschnueffeln ;-)

18:39 So, vor einer halben Stunde ist es deutlich ruhiger geworden, Regen und Wind haben nachgelassen, natuerlich nicht die Welle, jetzt wackelt es wieder ordentlich uns wir denken schon daran die Segel wieder zu vergroessern.
Stimmung an Bord ist nach Nudeln mit Wahoo-Tomatensosse auch wieder bestens.
Jetzt reicht es aber auch mit den Tropical storms!

14:38 Mal eben raus um zu schauen warum wir so schnell sind. Jojo. Eine schwarze Wand tut sich hinter der Lady auf Boen laufen mit acht Windstaerken. Jojo. Natuerlich viel zu viel Segel, Autosteuerung laeuft aus dem Ruder und die Lady will querschlagen.. Ich aber nicht. Ein paar Minuten versuche ich es ohne Nathalie aus ihrem verdienten Schlaf zu reissen. Aber ich komme nicht mehr vom Ruder weg. Ich bekomme die Segel nicht alleine rein. Ich bruelle: >>Nathaliiiiiie!<<

Die arme faellt ueber Ihre eigenen Knochen buchstaeblich aus der Koje
ist sofort hellwach. (Sie war wohl der Meinung, dass ich gerade beim Pinkeln ueber Bord gegangen bin.) Eine Minute spaeter steht sie in der Plicht. In BH und Unterhose, vollkommen verstoert. Ich sage Ihr was zu tun ist. Fuenf Minuten spaeter ist die Situation einigermassen im Griff. Von dem Segel ist 3qm des Focks uebriggeblieben. Wir laufen 6 bis 7 Knoten, 30 Grad zur Welle mit achterlichem Wind. Zufaellig genau der Kurs nach Tobago.

Bis gerade haben wir noch vermummt in der Plicht gesessen. Keine Besserung in Sicht. Es giesst aus Eimern, eine ordentliche vier Meter Welle hat sich aufgebaut. Das Baraometer zeigt kein Tiefdruckgebiet an, also ein tropischer Sturm. Kein Wetterbericht hat davon geredet. So viel zu Wetterberichten.

Wir haben uns in Innere unsere Schnecke verzogen und sind froh die Iron Lady zu haben. Sachte traegt sie uns durch den Sturm. Ab und an bricht sich mal eine Welle uebers Deck. Ansonsten ist es relativ! Ruhig im Bauch der Lady. Um uns eintoeniges Grau. Als wenn die Welt gleich untergeht. Tut sie aber nicht. Wir sind wohlauf und freuen uns mit jedem Tag mehr aufs Ankommen.

11:02 Sieben Knoten bei Windstaerke 2-3, das ist O.K. Ich werde mal nix sagen, sonst merkt die Lady noch, dass sie viel zu schnell ist. Noch 539 Meilen. Es klart langsam weiter auf. Natale schlaeft den Schlaf der Gerechten. Die Arme. Ich hab gerade ihre Schuhe nach draussen befoerdert. Da stand fingerbreithoch das Wasser von heute Nacht drin.

Acht Knoten. Ich muss mal raus. Da stimmt was nicht.

09:00 Hier meldet sich wieder das MS (Motorschiff) Iron Lady aus den Doldrums (Kalmzonen) vor Venezuela. Jeglicher Wind in der letzten Nacht war Vortaeuschung falscher Tatsachen. Es war ein Nordseenacht, die sich gewaschen hat. Regen. Durchgehender Regen. Satellitenbilder, Navtex, Wetterbericht der Coast Guard, andere Segler, mein Gefuehl, alle haben Recht: Wettervorhersage fuer die naechsten Tage: Shitkram, 10-15 Miles Wind East, Thunderstorms, Swell from Hurricane Olga. All das, was wir nicht gebrauchen koennen. Resultat: Der Daimler gurgelt den guten kapverdischen Diesel durch seine Zylinder. Die Capitana verstroemt gute Laune mit Tee und Zauberei aus der Pfanne, steht an Deck und schreit in Erinnerung an unsere Nordseeseglerzeit: >>Schatz, ich glaube es klar auf!<<

Aber. Immer die Ruhe bewahren, Laecheln und positiv denken. Der Wind koennte ja auch von vorne kommen. Inzwisc gehen die Segel wieder hoch. Die Batterien sind ja auch voll. Hihi. Man merke, die Laune wird wieder besser, was mit den kleinen Himmelloechern dort oben zu tun hat.

02:42 Ich ab kaum geschlafen, weil, ich weiss nicht. Die letzte halbe Stunde bin ich dann durchgesackt ins Paradies. Habe getraeumt, ich waere mit der Lady in der Werft, weil es an allen moeglichen Stellen im Deck durchregnen wuerde. Ob das was mit dem Bindfadenregen zu tun hat. Freund Guido war auch da und hat immer gesagt: >>Ich habs doch gleich gesagt. Ich habs doch gleich gesagt...<< Dabei ist er immer wie ein kleiner giftiger Zwerg um mich herumgetanzt. Dann kam der Besitzer von der Werft und hat die Wasseruhren abgelesen. Dann sollte ich das ganze Wasser bezahlen, was durch die Decke der Lady gekommen ist. Krass nicht?

Mir kleben die Augen zu wie mit Sargnaegeln verschlossen. Alle Lichter die ich anschaue haben glitzernde Kraenze. Mit Wasser hab ich es auch schon versucht. No Erfolg.

Draussen. Regen aus Eimern. No Wind.

01:51 Regen-Gewitter-Windwolke ist durchgezogen, der Wind hat wieder auf Ost gedreht. Grossegel rein, Genua raus. Wieder platt vorm Wind, der allerdings hat sich ausgetobt, uebrig bleibt viel Welle, Dauerregen und ne wackelnde Lady.
Positiver Lichtblick, es ist gleich 02:00 Uhr, Wachwechsel, kann den Micha wecken;-)

00:01 Waehrend des Wachwechsel hat der Wind im Zuge einer Gewitterwolke wieder auf SE gedreht, dazu gibt es knackigen Regen, der einen im Nu bis auf die Haut nassmacht. Wir fahren jetzt wieder auf Steuerbordbug, fahren? Rasen! Ist auch gut so, schliesslich hat der Skipper bald Geburtstag, da wollen wir schnell raus aus dieser Suppe, sonst macht das Feiern keinen Spass...
Haben gerade ueber Wetterfax eine Satellitenkarte empfangen, wir sind mittendrin in einem Wolkenband, das aber anscheinend nach Norden zieht. Wenn die Lady weiterrennt, muessten wir in 1-2 Tagen durch sein.



  • 00:01
  • 28.11.2001
  • 12°02.78'N, 050°22.72'W
  • Atlantik
  • Tobago/Charlotteville
  • 27°C
  • 4-5 SE
  • 2,5

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