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Tag 7: Im Keller

Prinzessin Lillifee in blau

Ich habe zwei Tage und Nächte Entleerung hinter mir. Gegen Verstopfung habe ich Flohsamen bekommen und der hat so dermassen angeschlagen, dass ich Tag un Nacht alle 30 Minuten auf’n Pott bin. Ich lass jetzt mal die genauere Beschreibung. Auf jeden Fall alles Scheiße. Dr. Helge kommt rein mit seiner Gefolgschaft, allesamt in blauen Schutzanzügen wie in nach dem Atomunfall in Fukushima. Ein sicheres Zeichen dafür, dass meine Leukozyten nun deutlich unter 1.000 sind. Keiner darf mich mehr ohne Schutzanzug besuchen. Umkehrisolation. Auch nicht MayaLena, Nathalie und Oma. 10 Tage ohne Immunsystem stehen vor mir, wahrscheinlich und mit 90%iger Wahrscheinlichkeit Fieber. Könnte also gut sein, dass ich nix mehr zu lachen habe und den Blog nicht mehr bedienen kann. No worries.

Ich bin natürlich der Auswuchs einer Partybremse. Mal ganz ehrlich, wer will schon mit so negativen Realitäten wie meiner Leukämie konfrontiert werden? Letzte Woche war Nathalie bei Freunden zum Geburtstag eingeladen und meinte zu merken, dass sie gemieden wurde von den anderen Gästen. Einbildung? Ich glaube nicht komplett. „Hast Du gehört. Micha ist wieder krank. Hat wieder Leukämie.“ Es wird getuschelt und was soll man auch dazu sagen? Ist doch wirklich doof. Oder? Krebs. Wer redet darüber schon gerne? Am besten man hat ihn nicht und keiner um einen herum. Der Kranke kommt ins Hospital und wird bestmöglich behandelt. Dafür zahlen wir alle jeden Monat. Das ist das System. Also rufen wir an, schreiben ein Whats App, eine Mail oder gehen den Kranken besuchen. „Kann ich irgendwas für Dich tun? Lass es mich wissen.“ „Halt durch!“, steht in vielen Nachrichten, die ich bekomme. Nun. Es werden von Tag zu Tag weniger Nachrichten werden. Das ist halt so. Jeder vierte Todesfall in Deutschland ist durch Krebs bedingt. Da kann man doch froh sein, wenn es einen nicht erwischt. Ich kann es vollkommen verstehen, dass sich meine Mitmenschen, Freunde und Bekannte nicht dauerhaft oder sogar gar nicht mit meiner Leukämie konfrontieren wollen. Ich würde mich selbst damit auch nicht belasten wollen. Immer in der Hinsicht darauf, wie nah mir der Kranke steht.

“Hallo Papa. Wie geht es? Hör mal ich habe da eine Idee wegen Deiner Airpods, die Du mir ja nicht schenken willst…“ Maya schneit im Prinzessin Lillifee in Blau Gewand ins Zimmer. Sie lächelt mich an. „Geht es Dir gut?“ Sie schaut mich kurz an. „Hast Du geschlafen?“ Und schon ist sie beim nächsten Thema, das bestimmt nichts mit Leukämie zu tun hat. Ihre Haare werden jeden Tag länger. Schon vor Monaten hat sie entschieden ihre Haare lang wachsen zu lassen und dann für eine Chemopatientin zu spenden, die damit ein Naturhaarperücke bekommt. Maya stört weder das Krankenhaus, weder die Verkleidung, noch meine Krankheit. „Du schaffst das schon.“ Punkt. Und wenn nicht, so wird das Leben einfach weitergehen, denke ich mir. Sie hat Jahrzehnte vollen Lebens vor sich, so wie ich es selbst gelebt habe. Die Geburt und der Tod ist das natürlichste der Welt. Wenn ich Maya sehe, wird mir das so brutal klar, dass jedes Fünkchen Selbstmitleid in Luft auflöst.

Hut auf. Auch ich denke vor und hab schon mal investiert. Bei meiner Lieblingsmarke habe ich für meine kommende haarlose Zeit zwei schicke Schirmmützen geordert. Da sieht man vor allen Dingen nicht so den Blick auf die fehlenden Augenbraunen und Wimpern. Das finde ich eigentlich am Schlimmsten am Leuko Style. Da sieht man dann nach der Chemo so nach Monster einer fernen Galaxie aus. Doch Permanent Augenbraunen? Warum eigentlich nicht. Die Kurden aus dem Sisha Shop machen das doch auch. Ohne Leuko Style.



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