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Trauer um William

Tod im Leuchtturm

Hört sich an, wie der Beginn eines Krimis. Es war wie ein Schlag mit der geballten Faust direkt ins Gesicht. „William ist tot. Er ist vom Leuchturm gefallen.“ Meine erste Reaktion war: „War das Selbstmord?“ Wie kann man vom Leuchtturm fallen? Frank schaut mit mit tränenerfüllten Augen an: „Nein. Er war betrunken, ist wohl auf der Treppe im Turm gestürzt und im Treppenhaus hinuntergefallen. Er selbst war beim Generator und hat grade die Batterien geprüft und William erst später gefunden. „Da war nicht mehr zu machen. Das war am letzten Sonntag. Die Polizei war per Hubschrauber auf der Insel und sie haben William auch direkt mitgenommen. William hinterläßt sein Frau. Kinder hatte er nicht.“ William war der erste Leuchtturmwärter mit dem ich mich 2015 bei meinem ersten Kubabesuch angefreundet habe. Sein Tod erschreckt mich und macht mich zutiefst betroffen. Alle die William kannten wussten, dass William gerne ein Glas Rum getrunken hat und auch gerne noch eins. So wie ich, haben auch viele andere ihm als Gastgeschenk ein Flasche Rum aus der Bilge mitgebracht. Da liegt es nahe, sich am Tod von William nicht ganz unbeteiligt zu fühlen, auch wenn es keinen direkten Zusammenhang gibt.

Es ist Freitag. Ich habe meinen freien Tag und am Morgen, sitze ich im Hotel Jaguar in der Empfangshalle. Bis auf die vereinzelten Mücken, ein angenehmer Platz, um ein Wasser und einen Saft zu trinken. Frisch gepresst, wäre mir lieber als mit Strohhalm aus der Tüte. Aber so ist das halt in Cuba. Man muss dieses Land geniessen, so wie es ist. Ich bin wegen dem guten Internet hier, denn hier sind nicht gleich alle Seiten gesperrt. Liberal habe die Damen und Herren Internetinspektoren für die Touristen die Türen zur Welt etwas offener gehalten. Wahrscheinlich gab es Beschwerden zu Hauf. Deshalb gibt es das Internet auch nur in der Halle und nicht in den Aussenbereichen. Ich telefonieren am längsten nicht mit meiner Frau, nein, auch nicht mit einer Freundin, sondern mit Eike, der das Büro in Flensburg managed. Ich telefoniere mit LUNATRONIC Kunden und es ist ein erfolgreicher Tag. Ein neuer Weltumsegler aus Rostock bestellt ein ICOM 802 und ein PACTOR Modem. Guter Tag. Zwei weitere Kunden berate ich und nehme mir Zeit. Denn wer bereit ist die Schutzgebühr zu bezahlen, der meint es ernst. Die beiden Kunden haben das getan. Gute Idee war das, so zu verfahren und zu wissen, dass man nicht mehr für lau arbeitet. Nur dumm, dass ich dass Antimückenspray vergessen habe mitzunehmen.

Ich lasse mich treiben und radle mit dem Bordfahrrad bis in die Innenstadt. Es ist heiß. Ein kurzer Blick in die Markthalle. Aber hier ist schon alles vorbei. Alles leer. Hmm. Also nehme ich am Palatino einen Tisch, genehmige mir ein Malzbier, klappe mein Macbook auf und bearbeite die Proviantierungsliste für die nächste CREW 42. Die kommen morgen und die geschrumpften Bestände auf der MARLIN werden noch reichen. Vieles was es in Cuba nicht gibt, habe ich aus Curracao mitgebracht, doch die Backskisten leeren sich mit jedem Tag mit Gästen. Und zum Auffüllen, ist Kuba nicht der richtige Ort. Auch die Bahamas und Bermudas sind da nicht viel besser. Erst auf den Azoren bekommt man wieder alles was das Herz begehrt. Bis zu den Azoren sind es noch ein paar Meilen. Die gutaussehende, freudliche Bedienung lässt mich verweilen und ich markiere das Gemüse, was ich heute bestellen muss, weil morgen früh meine neuen Gäste kommen und ich dann keine Zeit habe zum Markt zu gehen. Später treffe ich mich dann mit Frank, der mir die Bestellung abnimmt und irgendwie bekomme ich dann Morgen mittag, was ich brauche. Montags ist der Markt dummerweise geschlossen. Den Rest kaufe ich mit der Crew zusammen ein.

Der Abend wird wieder hektisch. Katrin, neuer Gast, ruft aus Varadero an. „Micha, die haben den Router gefunden, den ich Dir mitbringen sollte. Ich gebe Dir mal den Beamten.“ Ich darf nichts sagen, sondern darf einer netten Beamtin zuhören am Telefon, die mir quasi das Gesetzt vorliest. Ich kenne den Vorgang schon. Meine Anmerkungen mit den Worten YACHT IN TRANSIT werden geflissentlich überhört. Da hat mal wieder ein staatstreuer Sternchenjäger was gefunden. Ich wiederum spreche mit meinen Freunden vom Zoll in Cienfuegos und die mit dem Flughafenchef in Varadero. Jetzt verstehe ich auch nicht mehr so genau was vorgeht. Mit etwas Glück darf Katrin den Router wieder mit nach Deutschland nehmen, wenn sie in 14 Tagen wieder zurück fliegt. Ich kenne das schon. 2016 habe ich dem kubanischen Staat schon eine AIS Transponder vermacht. Den sollte ich auch zurück bekommen. Diesmal aber habe ich mir vorher überlegt ob ich das Risiko eingehe. Der Router kostet 100 Euro. Ist jetzt nicht schlimm. Verbuchen wir dann mal unter Entwicklungshilfe. Mein Freund Rolo meint, dass er den Router am Montag auf seinem Tisch in der Cienfuegos Marina liegen hat. „Nen Zehner dagegen!“, grinse ich. Rolo versteht mich nicht. Macht nix. Ich verstehe ihn auch nicht immer. Ich schreibe ein Mail an Katrin: „Herzlich Willkommen in Cuba. Dem Land der begrenzten Möglichkeiten. Danke für eure Zeit, die ihr für meine Belange am Flughafen verbracht habt.“




  • 21:56:00
  • 16.03.2018
  • 22°07.6285’N, 080°27.2411’W
  • -°/ -kn
  • Cuba Cien Fuegos
  • Cubas Cayos
  • 25°C
  • 5kn/SE
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