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Morgengedanken

Gestern bin ich doch tatsächlich nicht vom Boot gekommen, noch nicht einmal ins Wasser gefallen. Entsprechend früh werde ich wach und fahre zu Kaffee und Teilchen ins Dorf. Fotolicht. Cool. Man sollte öfters, früher aufstehen. Das Dorf ist leer, kaum einer auf der Straße, nur in der Bäckerei, die schon auf hat um diese Uhrzeit, sind Einheimische, auf dem Weg zur Arbeit, zur ersten Fähre nach Angra. Ich habe dieses Dörfchen lieb gewonnen.

Doch der Schein trügt. „Micha, in der Saison wirst Du Dich hier nicht besonders wohl fühlen!“, meint Martin zu mir. Im Dezember beginnt hier die Sommersaison, mit Sonnenschein, tropischer Hitze und Regenfällen. Warum auch sonst ist es hier so grün? Dann strömen hunderte, tausende von Touristen von Sao Paulo und Rio und der ganzen Welt auf die Ilha Grande, dem Paradies, wie es an jeder Ecke auf weißen Schildern geschrieben steht. Und alle Nase lang kommt eins der beliebten und gehassten Kreuzfahrtschiffe. Die Tore gehen auf, die kleinen Barkassen der großen Cruiseliner spucken mal so eben 1500 oder 2000 Touristen in einer großen Blase ins Dorf. Dann geht hier gar nichts mehr. Im Slow Motion Gear bewegen sie weiße Bäuche mit dicken Kameras auf den Bäuchen durchs Dorf um Andenken zu kaufen, man kommt nicht von A nach B. Die Geschäfte mit den Kettchen und Tüchern, den T-Shirts und Brasilienflaggen freuen sich, der Jahresumsatz wird in ein paar Tagen gemacht, doch die Touristen Essen und Trinken pauschal auf dem Cruiseliner, schlafen dort und hinterlassen vor allen Dingen eins. Müll. Aber wenig Geld.

Bis 1970 gab es keine Straße zwischen Rio und Santos, Angras dos Reis war unbekannt und Ilha Grande? Bekannt als Gefängnisinsel für die Schlimmsten der Schlimmsten und allen, die der Obrigkeit ein Dorn im Auge waren. Bis 1994, als das Gefängnis in Dois Rios aufgelöst wurde, gab es keine Touristen hier und danach kamen die Hippies. Zum Beispiel Claude, der Franzose und eröffneten die ersten Pousadas. Da ist Geld zu verdienen. Das hat sich rumgesprochen und statt 8 Pousadas und 10 Booten in der Bucht von Abraao gibt es nun 80 Pousadas und 100 Boote. Kein Wunder, dass Claude seine Pousada am liebsten verkaufen will. Ein Plastic Fantastic zum wegsegeln hat er schon an der Mouring liegen. Fehlt nur noch der Investor, der seine Pousada vielleicht pachtet. Unsere Welt wird eben immer kleiner.

So, nun aber das Teewasser aufsetzen und das Projekt, achterliche Bilge, vorwärts bringen, da ist was zu streichen und dann steht Dois Rios an. Da wo das alte Gefängnis ist. Zu Fuß oder mit dem Boot? Ich denke, erst mal mit dem Boot. Ich bin ja bekanntermaßen fußfaul. Zu Nathalies Ungunst.



  • 07:43:00
  • 11.09.2010
  • 23°08.3200'S, 044°09.4201'W
  • 0°/0kn
  • Abraao, Ilha Grande, Brazil
  • Argentinien
  • 20°/1021hpa/Sun 1/8
  • 19°
  • 5kn/NE
  • 0,5m

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