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gemischte Gefuehle

gemischte Gefuehle

Gesund kann man meinen Zustand zwar immer noch nicht nennen, aber zumindest kann ich nicht mehr den ersten Preis fuer die beste Lehrbuchdarstellung HNO einer Mandelentzuendung einheimsen. Die Vulkane haben sich langsam wieder beruhigt, Gott sei Dank, und auch die Energie ist zurueckgekehrt. Macht auch wirklich kein Spass, krank zu sein, bei tropischem Regensauwetter ohne Badewanne, ohne offenes Fenster mit wehendem Lueftchen und so. Das einzig schoene war der schwer besorgte Micha, der durchs Boot gewirbelt ist und versucht hat, mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Aber selbst seine Kochkuenste konnte ich nicht geniessen, die Vulkane haben einfach jeden Geschmack verdorben.

Besser ging es auf jeden Fall schon gestern abend, so dass wir gemeinsam zur Einladung von Nelson und Sohn zum Kavatrinken gehen konnten. Auf ein Abendessen dazu mit allen anderen Seglern zusammen fuer ca 10 Euro waren wir nicht so scharf, denn so etwas endet so haeufig damit, dass sich die Yachties untereinander ueber Navigationsprogramme und die letzten Reparaturen am Boot unterhalten und die Locals daneben sitzen. Nicht soooo spannend. Gestern abend waren nur wir an Land, kein anderer will Kava, und so findet der Abend eben nicht im Yachtclub statt, sondern im Nakamal, was den Nachteil hat, dass ich als Frau durch den anderen Eingang ins Haus muss und in meiner Haelfte, der Kochecke des Nakamals, sitzen bleiben muss. Getrennt wird der Raum durch einen Baumstamm am Boden. Uebertreten der Maennlein/Weiblein Grenze kostet eine Strafe von einem Schwein, gilt nicht fuer Hunde und Kinder. Man kommt sich schon ein bisschen komisch vor, alle in einer Runde und man selbst ein bisschen aussen vor, weder dazugehoerig zu den Maennern, die das Kava auf traditionelle Art und Weise zubereiten, noch zu den wenigen Frauen, die vor einem offenen Feuer sitzen und das Abendessen kochen. Trotzdem herrscht eine wunderschoene Atmosphaere, Nelson erzaehlt die Entstehungsgeschichte des Kava, waehrend zwei seiner Soehne selbiges zerkleinern. Statt Fleischwolf oder anderer moderner Hilfsmittel, wie wir es bisher gesehen haben, werden hier nur die alten Wekrzeuge benutzt, grosse Holzschalen statt Plastikeimern, Kokospalmenrinde statt Handtuechern, Moerser aus Korallengestein. Wunderschoen und ein Rueckblick in vergangene Zeiten ist das. Das Kava betaeubt die Halsschmerzen und ist das staerkste, was wir bisher gekostet haben.

Schon wieder wollen wir bleiben, hoffen fast, dass wir den naechsten Morgen verschlafen, aber eigentlich steht es fest, wir muessen nach Santo, Penicillin ist alle.

Verschlafen haben wir nicht, sondern um 4 in der Frueh das Bett verlassen, die Lady klar gemacht und die 60 Seemeilen nach Santo in Angriff genommen. Erst ein bisschen Duesenwinde und schnelles Segeln, dann kurzes Einschlafen des Windes, brummmelnde Skipper und schliesslich wunderbare 20 Knoten raumschots bei strahlend blauem Himmel. Den ganzen Tag 6 Knoten gesegelt, einfach herrlich.

Kurz vor dem Ziel passiert dann wieder alles gleichzeitig, der Himmel zieht zu, die erste Insel ist nur noch 2 Meilen entfernt und auf unseren neuen Superkoeder beisst ein Fisch. Und ich meine, ein Fisch. Keine kleine Sardine oder nen mickriger Bonito, irgendetwas ganz grosses. Seit neuestem haben wir eine 600 Pfund Leine, damit wir endlich mal einen dieser kapitalen Thunfische anlanden und im erstbesten franzoesischen Restaurant zu Geld machen koennen.
Bis wir die Segel gerefft und den Fisch halbwegs in Schiffsnaehe geholt haben, ist die Kueste nur noch eine Meile entfernt, der Wind frischt immer mehr auf, wir machen trotz kleiner Handtuchsegel noch 5 Knoten Fahrt und in all der Aufregung stellt sich heraus, wir haben einen Hai an der Angel, Einen grossen Hai, mindestens 2 Meter, vielleicht 3, schwer zu schaetzen. Was nun? Leine belegen, Halse fahren, navigieren, ploetzlich muss alles gleichzeitig gemacht werden und die Capitana bricht in Traenen aus angesichts des Haies, dessen Schicksal nun ungewiss ist, egal, was man macht. Das schoene Tier. Der Hai entscheidet sich selbst, waehrend wir noch mit den Segeln kaempfen und beisst die Leine durch. Man sieht ihn nicht mehr, aber ein komisches Gefuehl bleibt trotzdem, denn ob er mit dem Haken im Maul plus Stahlvorfach noch jagen kann ist fraglich. Ist uns ja schon oefter passiert, aber bisher waren unsere Angelleinen so schwach, dass sie einfach gerissen sind, bevor wir sehen konnten, wer da am Haken haengt.

Traurig, dazu passend senkt sich wieder die altbekannte Wolkendecke ueber uns, ganz Santo haengt im Grau. Die Anchorage vor uns sieht mehr als rollig aus, so wie die Masten der anderen Boote wackeln.

Naja, immerhin hatten wir einen wunderschoenen Segeltag und sogar ein bisschen Sonnenbrand auf der Nase!



  • 16:20
  • 26.08.2004
  • 15°31.49S, 167°10.89E
  • Segond Chanel/Santo/Vanuatu
  • Luganville/Santo/Vanutatu
  • 26°C
  • SE 4
  • 0,5

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