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hoch am Wind

hoch am Wind

18:06 Marara und andere Unterwasserberge haben wir hinter uns gelassen, ohne weitere aussergewoehnlichen Ereignisse. Die Gegenstroemung hoerte irgendwann auf, seither segeln wir, hoch am Wind mit viel Laerm.
Passend zu den raetselhaften Naturerscheinungen lese ich gerade 20.000 Meilen unter dem Meer. Klassische Seeliteratur liest sich wirklich am besten, wenn es wackelt, auch wenn dann nachts manchmal die Phantasie mit einem durch geht.

Heute morgen, puenktlich um 11 hatten wir wieder einen Biss an der Angel, wie jeden Tag. Heute sogar zwei, steuerbord und backbord. Doch wir sind kaum dazugekommen die Angeln ueberhaupt in die Hand zu nehmen, als die Leinen schon gerissen waren. Verdammt. Was muessen das fuer Riesenfische sein, die hier Hunger haben! Es reicht, jetzt werden schwere Geschuetze aufgefahren. Weg mit der Schleppangel, raus mit der dicken Angelschnur von den Kapverden, dem stabilen Stahlvorfach und den dicken Haken. Aus allerhand Muellwerden zwei neue Koeder gebastelt, Recycling. Das entstehende Zeug sieht zwar etwas verrueckt aus, sollte aber bis mindestens 80 Kilon reichen! So, und was machen wir dem Riesenfisch, wenn er an Bord gelandet ist?

05:20 Zum Wachwechsel um 23 sitze ich mit Natale in der Plicht. Kurs hoch am Wind mit vier Knoten. Ein kleiner, lautloser Vogel zieht immer wieder seine engen Kreise um die Lady, fast sieht es aus als wenn er landen will. Spasseshalber schreit Natale: >>Eine Hexe, eine verwandelte Hexe!<<
Der arme Vogel ist sicherlich nur muede, will sich mal setzten. Ein Squall zieht ein paar Meilen an uns vorbei. Gewitterleuchten. Der Vogel fliegt immer noch eng ums Boot. Natale steigt in die Koje.

Wir stehen 19 Meilen nordoestlich des >>Marara Seamounts<<, ein Unterwasserberg, der von 5000 Meter Wassertiefe steil auf 1000 Meter ansteigt. Gerade bei stuermischen Wetter meide ich solche Gebiete gerne, weil hier unangenehme Seen, Wellenkonstruktionen entstehen koennen. Doch das unguenstige Wetter hat uns schon seit 24 Stunden immer wieder auf den >>Marara<< zugeschoben. Wie ein Magnet scheint er die Lady anzuziehen.

Gegen 12 steigt der Autopilot aus. Der Pfeifton holt mich aus meinen Traeumen. Lost Kompass. Aha. Ich gehe Hand. Ganz langsam bekomme ich die Lady wieder auf Kurs. Die Segel fuer hoch am Wind getrimmt ist das bei Halbwind nicht so einfach. Wir rauschen durchs Wasser. Die Nacht ist totenstill. Ganz weit weg am Horizont ein Stern, den ich zum steuern nehmen kann. Doch die Lady macht nicht mehr was ich will. Ich sitze ratlos da und denke an kaputte Rudermechanik, werde langsam aber sicher panisch. Kacke Heinz, jetzt haben we nen Problem. Aber nur nicht panisch werden. Die Lady segelt ziellos in der Gegend herum. Keine Ruderwirkung mehr. Ich drehe das Ruder steuerbord. Kursaenderung, keine! Kacke! Ich suche panisch den 13er Schluessel fuer die Notpinne, die umgedreht als Ruderpinne fuer den Windoiloten dient. Mensch Skipper, das dauert! So, jetzt mit der direkten Verbindung zum Ruder muss es klappen. Ich lege Ruder nach steuerbord, hart steuerbord, nix. Keine Aenderung am digitalen Kompass, keine Winrichtunsaenderung, zu sehen gibt es eh nix als schwarze Suppe und einen kleinen schwarzen Vogel, der eng ums Boot fliegt.

Eine halbe Stunde spaeter sitzt Natale in der Navigation, wir waelzen Seehandbucher, Karten, suchen in der Navigationssoftware. Seamounts: Keine Gefahr. Stroemung im angegebenen Gebiet: Keine Angaben. Besonderheiten: Keine. Natale weiss auch nicht was zu tun ist, ausser das ich sie zum zweiten Mal geweckt habe, weil ich mit einer Ganzkoerpergaensehaut aus der Plicht zu ihr in die Koje gekommen bin. >>Nathalie, da draussen sind Daemonen und Geister.<< >>Verzauberte Wale und Delfine...<<, fragt sie mit hochgezogenen Augenbraunen zurueck. >>Lass mich schlafen.<<

Doch erst werde ich panisch mit der Notpinne in der Hand und rufe Natale, die natuerlich meint, der schlimmst anzunehmende Fall waere passiert. >>Waaass? en los?<< Ruder kaputt, erklaere ich ich. Quatsch, meint sie. Da faellt es mir siedend heiss ein. Wir brettern zwar mit 4 Knoten durch Wasser, aber haben ebenso viel Gegenstroemung. >>Mach mal den Daimler an.<< Die Geister verschwinden ganz schnell und die Daemonen auch, aber Marara bleibt.

Verloren. Wetterbericht sagt Gegenwind. Egal welchen Kurs wir nehmen, West und die Alternativen 30 Grad noerdlicher oder suedlicher. Egal. Die naechsten 72 Stunden. Wir laufen mit Gross und unter Motor West, mit 1,8 Knoten ueber Grund, mit 5 durchs Wasser. Marara bleibt weiter 17 Meilen entfernt auf 9:00 Uhr stehen, aber durch den Daimler haben wir wenigstens wieder Ruderwirkung, sind wieder bewegungsfaehig und nicht wie in dicker Kaefer auf dem Ruecken. Es daemmert und ich hacke noch an meinem Logbucheintrag, anstatt Segel zu setzen. Nun, ich warte. Jetzt beginnt die Flut und vielleicht entwickelt der Marara ja eine ebenso heftige Gegenstroemung. Vielleicht.



  • 05:20
  • 25.08.2003
  • 15°03.69S, 157°03.19'W
  • Suedpazifik
  • Suwarrow/Cook Islands/NZ
  • 27°C
  • NNW 3-4
  • 1,5

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