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Überwachung

Banditen tragen schwere Säcke

Wir passieren die deutsch-holländische Grenze. Über uns Kameras die jeden Wagen filmen, der sie passiert. Immer schön lächeln. In der Schleuse, auf den Brücken, im Nordseekanal, überall wird man gefilmt, aufgenommen und das Gefilmte gleich übertragen, weltweit. Wenn unsere Leser die Webcam der Schleuse xy aufrufen, würden sie schneller sehen, wann sich die Tore öffnen, als wir. Bei der Autovermietung unterzeichnet Micha den Vertrag mit dem Finger auf dem I-Phone, auch der Wagen überwacht was wir tun, Warnung hier, Warnung da. Achtung Gefahrenstelle. Bitte Denken abstellen, die Elektronik macht das schon.

Wir sind noch nicht wirklich angekommen, rennen hinterher oder bleiben einfach stehen und widmen uns unserem Fahrtenseglertrott bis uns die Wirklichkeit wieder einholt. So wie gestern. Nach 11 Tagen mit 7 Personen auf See waren Kühlschrank und Backkisten leer. Richtig leer. Keine Butter, keine Eier, kein Brot, von Gemüse und Fleisch ganz zu schweigen. Aber find mal einen Supermarkt im Zentrum von Amsterdam. Wir verlegen also, noch eine Schleuse, dann sind wir im Markermeer. Der kleine Ort Durgerdam hat einen süßen Yachtclub, ein paar Stege und einen sicheren Ankerplatz vor der Tür. Aber ansonsten gibt es nichts. Kein Laden, kein Bäcker, kein Kiosk. Nicht einmal einen Zigarettenautomaten für die Jungs. Der Hafenmeister zuckt nur mit der Achseln, müsst ihr halt nach Amsterdam. Klar, mal eben. Hier machen eben alle Urlaub, haben das Auto mit einer Kofferraumladung Aldi oder Albert Heijn vollgemacht. Glücklicherweise haben unsere Freunde von der ELIN uns die Koordinaten eines Supermarktes gemailt. Der internationale Informationsfluss über Funk funktioniert bestens.

Auf der anderen Seite der Ij ist in den letzten Jahren ein Neubaugebiet entstanden, schicke Häuser, einige Marinas, früher war hier nur Wasser. Mittendrin ist der Supermarkt. Mit Einkaufsliste und Geld schicken wir die Jungs am frühen Abend los. Der Weg ist weit, einmal quer über die Ij, inklusive Schleuse, 30 Minuten Dinghifahrt. Zwei Stunden später liegen wir Mädchen in der Abendsonne auf dem Vordeck und wundern uns über den Helikopter, der seine Runden über der MARLIN zieht. Wollen die zu uns? Übungsflug? Ist ja komisch, so spät am Abend werden doch auch keine Rundflüge mehr angeboten. Unsere Gedanken werden vom Ruf der Zwillinge unterbrochen, die gerade zurückgekommen sind. Im Dinghi den schweren Verproviantierungssack mit Klopapier, Mülltüten und Lebensmitteln. Wir haben kaum die Beute im Kühlschrank verstaut, als ein Polizeiboot mit Blaulicht auf uns zurast. Was denn jetzt? Wir haben uns doch brav überall gemeldet, unsere Rechnungen bezahlt und überhaupt. Die werden doch nicht jetzt wegen der Nacht im Kanal kommen. Ob man da doch nicht liegen durfte?

Im Schnellboot sitzt ein sehr holländisches Polizistenpaar, groß, blond, langhaarig die Beamtin, sommersprossig und rothaarig der Kollege. Frau Polizistin grinst übers ganze Gesicht, der Kollege kann sich sein Lachen kaum verkneifen. „Ward ihr das mit dem Dinghi auf der anderen Seite?“ „Äh, ja, die beiden Jungs hier, ist das verboten?“ „Was habt ihr da gemacht?“ „Ähm, eingekauft, bei Albert Heijn, hier auf der Seite gibt es ja nichts und nach 14 Tagen auf See haben wir nichts mehr zu essen.“ „Ja, das haben wir uns auch schon gedacht! Ein paar Leute haben ein verdächtiges Boot gemeldet. Zwei junge Männer in dunkler Kleidung und schweren Säcken, sie haben vermutet, dass eingebrochen wurde!“ Wir sind sprachlos. Das ist kein Aprilscherz, oder?“ „Habt ihr nicht den Helikopter gesehen? Der ist wegen Euch los, hat das Dinghi verfolgt, damit wir sehen konnten, wo ihr hinfahrt. Wir haben ja gleich gesagt, dass ihr einkaufen ward, aber gemeldet ist gemeldet, dem mussten wir wohl nachgehen! Tschuldigung für die Störung, habt noch einen schönen Abend.“ Unter lautem Gegacker verschwinden die beiden im Gleitflug. Völlig verdattert lassen sie uns zurück.

Nun immerhin müssen wir uns keine Sorgen machen, wir sind ja gut überwacht.






  • 22:30
  • 08.08.2014
  • 52°22.4621'N, 04°59.8232’E
  • -°/-kn
  • Durgerdam/NL
  • Flensburg
  • 20°/1015pa
  • 16,5°
  • 97°/10kn
  • -m

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