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Naturgewalten und Menschen

20:18 Nun sind wir auf den Aves Inseln angekommen, und das Bild unter Wasser ist zwar etwas freundlicher, aber richtig ueberzeugt sind wir nicht. Ein Tauchgang waere zwar nicht sinnlos, aber auch nicht wirklich reizvoll. Daher machen wir hier nur eine kurze Pause und schlafen einige Stunden, bevor es mitten in der Nacht Richtung Bonaire geht. Wie wir aus einer heutigen Mail von Serena von der SY Momo erfahren haben, muss es sich dort wirklich lohnen den Kopf unter Wasser zu stecken.

Ich werde dort meine Spendierhosen auspacken, einen Jeep mieten und dann tauchen (fast) bis der Arzt kommt. Immerhin sind die Unmweltschutzbedingungen in Bonaire sehr rigide. So ist grundsaetzlich das Ankern verboten, man muss an einer Muring liegen. Das weckt Hoffnung auf eine intakte Unterwasser-Natur. Denn das ist das eigentlich perverse an der Situation. Von >>oben<< sieht alles toll aus, perfekter Sandstrand, hier und da eine Palme und viele Mangroven. Dazu die schoensten Blautoene, die ich je im Wasser gesehen habe. Der gemeine Tourist sieht also auch nichts von der Zerstoerung =96 ja, das macht mich bei aller Begeisterung fuer die Reise wirklich traurig und nachdenklich.

Auf dem Weg zu den Aves hatten wir eine sehr kabbelige See, Genua- und Focksegel voll ausgebaumt. Bei einer durchschnittlichen seitlichen Schwankung von 20-30 Grad wurde dann auch mir mal schlecht. Nichts wildes, aber da ich gestern besch… geschlafen hatte fehlte mir einfach die Kraft, diese Schwankungen ueber vier Stunden sauber zu ertragen. Also leg ich mich hin um ein wenig zu doesen, und meinen inneren Horizont zu zentrieren. Auf einmal heisst es >>Delphine<<, und wie ein Blitz bin ich mit der Digi-Cam am Bugspriet. Schlagartig aendert sich meine Laune und ich versuche ein paar Bilder zumachen. Dies Ausbeute ist duerftig, aber das Vergnuegen gross. Die Lieben scheinen es wohl zu ahnen, wenn jemand Aufmunterung braucht, so wie bei meiner ersten Begegnung vor ein paar Tagen. Zumindest erklaere ich mir das so.


Am Ende gewinnt wieder die See und ich liege in der Seekoje. Keine zehn Minuten spaeter erhallt schon wieder ein Weckruf: Wir haben einen Biss an der Schleppangel … und: es ist eine ca. 1,20m grosse Dorade. Was fuer ein Tier. Ich kenne die ja nur gegrillt beim Italiener. In der direkten Konfrontation jedoch habe ich einen Heidenrespekt vor dem Biest. Es sieht beinahe wie ein Drachen aus… und was fuer Farben!

In einem perfekten Manoever holen Natale und Micha die Dorade an Bord. Der Pfefferschnaps in den Kiemen tut sein uebriges, um das Leben dieses Tieres zu beenden und unsere Maegen zu fuellen. Nachdem der Todeskampf beendet ist, bindet Micha die Dorade an den Baum, da kommt schon die grosse Enttaeuschung. Ein paar Dutzend Wuermer schiessen von innen nach aussen durch die Haut. Ungeniessbar. Ist die Erkrankung nun Menschenwerk, oder ein normaler parasitaerer Befall? Nach all den Eindruecken der letzten Tage sind wir uns nicht mehr sicher.



07:30 Hin und Her mit dem Korallensterben. Alexandra hat uns schon vor ein paar Monaten erzaehlt, dass die Unterwasserwelt auf und um die San Blas Inseln einfach tot ist. Damals konnte ich es nicht glauben. Jetzt schon eher. Fuer uns war es ein Schock zum ersten Mal das Korallensterben oder besser gesagt die Auswirkungen so direkt zu erleben. Bestimmt gibt es viele Gruende die verschiedenste Wissenschaftler fuer dieses Korallensterben veroeffentlichen. Eine recht pauschale Erklaerung wiederhole ich im Anhang an diesen Logbucheintrag noch einmal.

Wir sind heute am noerdlich im Las Roques Atoll gelegenem Noronqui Riff angelandet. Mit dem Dinghy sind Natale und ich zum Aussenriff, Innenriff, Lee- und Luvseite des Riffs gefahren um den visuellen Eindruck zu erleben. Wieder haben wir nur Unterwasserlandschaften mit den Gerippen von ehemals wunderschoenen Tischkorallen gesichtet. Auch der Fischbestand ist dezimiert, leben tut hier kaum etwas unter Wasser.

Frustriert haben wir zwei Inseln nach Langqui-Carenero verlegt. Hier ist ein kleines Innenriff an einem der schoensten Ankerplaetzte in den Inseld Las Roques, schreibt der Segelfuehrer. Was sich bewahrheitet. Millionenschwere venezolanische Schiffe liegen um uns herum. Wir fristen unser Weltumseglerdasein an einer Muring mit Werbeaufdruck eines Schiffsausstatters aus Caracas. Schoene neue Welt. Von den Riesenfluegelschnecken oder Langusten, die hier vor zwanzig Jahren in Rudeln aufgetreten sind, sehen wir nur die Reste der Gehaeuse, zu Bergen am Strand zusammengetragen. Natale meint, das Riff waere doch ganz schoen, nachdem wir einen Schnorchelgang gemacht haben. Natale war aber auch noch nie an einem der grossartigen Riffe im Roten Meer, wo die Artenvielfalt der Riffbewohner eines intakten Riffes noch so sind, wie es eben vor zwanzig Jahre hier wohl war. Egal ob Mensch oder Natur schuld sind. Die Roques sind als Tauchrevier nicht zu empfehlen. An die 60! kleinen Inselm mit unzaehligen Riffen. Unterwasser =>
Hier noch mal eine generell plausible Erklaerung des Riffsterbens:

Durch den Treibhausefekt steigt die mittlere Temperatur der Erde immer mehr an. Das Wasser erwaermt sich, dadurch wird das oekologische Gleichgewicht der Erde durcheinandergeworfen. Gerade die Riffe, die ein Teil dieses Gleichgewichts sind, sind auch am ehesten von dieser Veraenderung betroffen.
Die Riffe sterben durch zu hohe/niedrige Temperatur ab (coral bleaching). Nach aktuellen Schaetzungen sind bereits 10 Prozent der Riffe tot. Die Korallen bestehen nur noch aus ihrem Kalkskelett, und unter Wasser schaut man in eine Wueste. 30 Prozent der Riffe sind bedroht. Und der Verlauf wird immer gefaehrlicher.

Aber nicht nur das Weltklima macht den Riffen so sehr zu schaffen, sondern auch der Tourismus, Ueberduengung, Abtragung von Riffgestein zum Landschaftsbau und Krankheiten…






  • 07:30
  • 02.03.2002
  • 11°54.71'N, 066°43.22'W
  • Langqui-Carenero/Roques
  • Las Aves
  • 28,5°C
  • 3 ENE
  • 0

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