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Kontraste 2

Tourist in Havanna

Nat├╝rlich bin ich nicht nur nach Havanna gekommen, um mit Gem├╝seweibern und Schreinern zu tratschen. Architektur, Kunst und Kultur stehen f├╝r die n├Ąchsten zwei Tage auf dem Programm. Meine Mutter ist angekommen und mit ihren Augen, frisch aus der deutschen Ordnung und gut erhaltenen Zivilisation, wird mir der Verfall der Stadt und die Andersartigkeit des lateinamerikanischen Lebens nochmal richtig bewusst. Was f├╝r uns, nach fast drei Jahren Reisen in S├╝damerika und 2 Monaten Kuba, zur Normalit├Ąt geh├Ârt, ist f├╝r Besucher aus Europa ein absoluter Kulturschock. Ger├╝che, Lautst├Ąrke, Lebensart, alles ist fremd und gew├Âhnungsbed├╝rftig.

Kein Wunder, dass es das Gros der Touristen in die wohlgepflegten Hotels und die restaurierte Altstadt zieht, nach Havanna Vieja. W├Ąren hier nicht immer wieder vereinzelte Fassaden, deren Fenster in nichts als den leeren Himmel blicken, die Fahrradtaxis und die Schlagl├Âcher, man k├Ânnte sich fast wie in S├╝dspanien f├╝hlen. Viel Geld wurde in die Restaurierung der alten Bausubstanz gesteckt, koloniale Villen, die vom einstigen Reichtum der Plantagenbesitzer zeugen, leuchten in bunten Farben, die Parkanlagen und Pl├Ątze mit jahrhundertealtem Baumbestand sind gepflegt und ├╝berall warten lauschige Cafes, dunkle Tavernen und kubanische Restaurants auf Kundschaft. Die Kubaner, Lebensk├╝nstler und Meister der Improvisation, haben die Touristen schnell als eintr├Ągliche Devisenquelle entdeckt. Kurvige afrocubanische Gro├čm├╝tter postieren sich mit dicker Zigarre und Blume im Haar vor historischem Hintergrund, Che und Hemingway laufen einem in mehrfach geklonter Ausf├╝hrung ├╝ber den Weg und auch die lebendigen Statuen d├╝rfen nat├╝rlich nicht fehlen: Foto ausdr├╝cklich erlaubt, gegen Bezahlung versteht sich. Es macht Spa├č, diese Altstadt zu entdecken, die kulturellen Sch├Ątze, kleine Museen, Gesch├Ąfte in denen Gew├╝rze abgewogen, Duft├Âle in Glasflakons gef├╝llt, Pralinen gemacht und Zigarren verkauft werden. Havanna Vieja ist touristisch voll erschlossen, aber wundersch├Ân. Das einzige was ich nicht vermissen werde, sind die Vierer-Kombos aus Kontrabassisten, Percussionisten und S├Ąngern, die das Repertoire des Buena Vista Social Clubs, zum Besten geben. Ich liebe kubanische Musik, aber die immer gleiche Interpretation der bekannten Melodien kann einem geh├Ârig auf den Senkel gehen. Ob am Flughafen, im Cafe, Restaurant oder Hotel. Ich kann sie auswendig, im Schlaf mitsingen und ich kann sie nicht mehr h├Âren. Abends tauschen die Musiker dann vermutlich ihre Son Uniform gegen normale Kleidung und treffen sich in privaten Bars oder Clubs um wirklich zu musizieren. Im Jazz Cafe, weit ab der Altstadt haben wir sie wiedergetroffen, die Musiker und einen Abend mit kubanischem Jazz genossen. Wieder zur├╝ck im echten Havanna. Der Tipp kam ├╝brigens von meinem Schreiner, dessen Zedernholzkeil schon im Koffer liegt.






  • 20:00
  • 08.03.2014
  • 23┬░08.0181'N, 82┬░22.6390ÔÇÖW
  • -
  • La Habanna, Cuba
  • Cayo Largo, Cuba
  • 26┬░
  • NE/15kn

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