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Repair Day

Wie immer

Ganz sch├Ân viel kaputt gegangen. Am oberen Beschlag des Spibaums aus Kohlefaser, der an einer Laufschiene am Mast angebracht ist hat sich w├Ąhrend der ├ťberfahrt der von beiden Seiten mit einer Schraube und Unterlegscheibe gesicherte Bolzen gel├Âst. Gl├╝ck gehabt. Auf dem unteren Beschlag steht der Baum etwa mit 30 Grad schr├Ąg zum Himmel und h├Ąlt. Irgendwie habe ich es im Morgengrauen gesehen und konnte den Spibaum provisorisch sichern. Heute dann Schadensbegutachtung. Der Lack hat ein paar Schrammen. Die untere Halterung aus Alu komplett verbogen. Mit einer langen Holzlatte aus Hartholz, aus denen ich die Regale im Achterschiff baue, sowie zwei dicken Schraubzwingen, kann ich die Halterung wieder grade biegen. Der Plan, den Sicherungsbolzen durch einen mit Splint zu ersetzen scheitert. Bolzen nicht vorhanden. So nehme ich den Bolzen, der noch in der Halterung steckte, sichere diesen mit Unwillen genau wie vorher und klebe die Schrauben mit Loctite ein. Bis zum n├Ąchsten Ship-Chandler wird es halten.

Und so geht es weiter. Weil ich grade im Schrauberwahn bin. Nehme ich den Motor vom Autopiloten auseinander, wasche das ganze veranzte Fett mit Benzin aus dem Getriebe und ├╝berpr├╝fe die Elektrospulen, die die Bolzen der Kupplung mit Magneten in einen Zahnkranz mit L├Âchern dr├╝cken. Einen Fehler kann ich nicht entdecken. Sollte alles funktionieren. Die ganze Arbeit hab ich vor ein paar Monaten schon mit Rene gemacht, allerdings ohne Reinigung. Gef├╝hlte Stunden brauche ich um eine Schraube rauszubohren, dessen Sechskantaufnahme so verfranzt ist, dass der Imbu├č-Schl├╝ssel durchdreht. Super Sache. Die neue Werkbank im Motorraum macht sich zum ersten Mal echt bezahlt. Fr├╝her habe ich solche Arbeiten auf dem Karten- oder Salontisch oder im Cockpit gemacht, fluchend, wenn mir Einzelteile auf den Boden gefallen sind, dann vielleicht noch durch Lenzrohr ins Wasser unter dem Schiff. Ich erinnere mich an Malaysia, wo ich im Brackwasser getaucht bin um ein R├╝ckschlagventil der Toilettenpumpe wiederzufinden. Irgendwann r├Âhrt der Autopilot wieder und ich finde nach Stunden Arbeit den vielleicht eigentlichen Fehler. Das Kabel der Kupplung ist an der Steuereinheit in so eine Steck-Kabelklemme ohne Verschraubung nicht einfach abisoliert eingef├╝hrt, sondern mit Aderendh├╝lse. Hinterher, wei├čt Du immer mehr. Ob es jetzt alles wieder funktioniert, werden wir erst beim n├Ąchsten Schlag am Wind wissen. Gl├╝cklich bin ich nicht mit dieser ganzen Konstruktion von Jefa. Aber was besseres f├Ąllt mir zu unseren ganzen Autopilotsituation auch nicht ein. Am liebsten w├Ąre mir eine Aries am Heck. Und wovon tr├Ąume ich Nachts? Muss mal Peter schreiben, ob die Aries die Marlin ├╝berhaupt steuern k├Ânnte. Vermute mal eher nicht. Zweite M├Âglichkeit: Immer genug Crew mitnehmen und 24/7 steuern lassen. Mit Familie ist Segeln ohne Autopilot ein absolutes No-Go! Oder eine Hydraulikpumpe mit Zylinder, wie auf der LADY. Von Robertson. Der war leise, sparsam und verl├Ąsslich bis 40 Knoten Wind. Aber dann? Ging nur der F├Ârtmann Windpilot. Der funktionierte am besten wenn der Wind heulte. Aber auch ne Dauerbaustelle. Das unser jetziger Jefa Autopilot die MARLIN bei 40 Knoten Wind und acht Meter Welle steuert und 30 Grad zur Welle halten kann, halte ich f├╝r ein Ger├╝cht. Da sehe ich uns eher beigedreht. Hatten wir ja auch noch nicht. Wenn irgend jemand eine Idee hat, welchen Autopiloten man f├╝r unsere 60 Fu├č Salatsch├╝ssel am besten nehmen k├Ânnte. Her damit, mit der Idee oder am besten Erfahrung. Die Open 60 m├╝ssen doch auch irgendwie gesteuert werden. Ist B&G besser? Mit Googeln komme ich da irgendwie nicht weiter.

Nathalie macht friedlich Schule. Von Bord ins Wasser kommen wir heute nicht. Auch nicht an Land. Ich im Schraubenwahn, die Kinder verwandeln die MARLIN in ein totales Bastel- und Spielchaos. Und dazu bl├Ąst es immer mit 18 Knoten plus. Einziger Vorteil: Strom satt. Nathalie kann die Waschmaschine laufen lassen. Nachteil: Morgen ist Wassermachen angesagt. Am Nachmittag blickt Nathalie von ihrem Rechner auf und liest mir ihren aktuellen Artikel f├╝r die YACHT vor. Darin enthalten auch ihre Gedanken zum Thema gro├čes Boot. Klar, Platz satt, aber eben auch Arbeit ohne Ende. Sogar ich komme im Artikel vor. ÔÇ×Beim gro├čen Boot haben alle mehr Platz f├╝r ihre individuelle Pers├Ânlichkeitsentfaltung. Allerdings geht auch viel mehr kaputt und anstatt Landspaziergang und Abenteuer am einsamen Strand, sucht man den Skipper am besten im Maschinenraum an der Werkbank.ÔÇť

Kurz vor Schluss wollen wir dann noch die Segelcover oder Segelkleider oder wie sonst diese Dinger hei├čen, hochziehen. So ein Schlauch der gekreuzten Leinen um die Segel vor der Sonne zu sch├╝tzen. An der Fock geht das prima. An der Genua endet das immer mit Frust und Bootsmannstuhl. Heute auch wieder. Auch so nen Problem. Nen aufgen├Ąhter UV Schutz aus Sunbrella w├Ąre uns echt lieber. Unsere Segel sind ja bekanntlich hin├╝ber… zumindest optisch. Segeln tun sie noch sehr gut. Performance Sandwich Segel – Ganz normale Dacron Segel w├╝rden uns echt reichen. Aber da fehlt es grade in der Bordkasse f├╝r 160qm neue Segel. Auch wieder so nen Thema mit dem gro├čen Boot und dem Platz f├╝r jeden. Nun, wir machen das schon. Auf jeden Fall ist der UV Schutzsack halb oben und nix geht mehr. Dann ist die Sonne untergegangen und morgen muss Nathalie den Skipper wieder am Genuavorliek im Bootsmannstuhl hochziehen. Da grinst Du zurecht ÔÇô wir haben die A-Karte.

Aber trotzdem: Wir sind gl├╝cklich. ├ťber unseren Ankerplatz ohne Internet. Wie viel man schafft, wenn es kein Internet gibt. Unglaublich. Kein Skype. Kein Facebook. Kein Google. Kein Spiegel.de. Kein Tatort am Sonntag. Nur e-mail ├╝ber Sailmail. Das ist produktiv und erholsam. Kommen wir damit klar? Ein bisschen daran gew├Âhnen m├╝ssen wir uns schon. Und jetzt gehe ich mit der Capitana ins Cockpit – ein k├╝hles Bier trinken. Morgen ist auch noch nen Tag.






  • 19:16
  • 14.10.2013
  • 12┬░02.6654'N, 67┬░40.7724ÔÇÖW
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  • Long Island / Las Aves
  • Los Roques
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