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Dies und Jenes!

What is going on, on the MARLIN?

An der Belastungsgrenze. Kaum wieder im Wasser, denkt man sich, jetzt ist alles gut. Doch weit gefehlt. Ein Task jagt den anderen und Mayalena finden das überhaupt nicht spannend. Nach ihrer Meinung sollten wir ausschließlich Zeit für sie haben. So geht das aber eben nicht, weil dann ist die MARLIN im seepockenverseuchten Wasser der Chaguramas Bucht schneller wieder zugewachsen, als wir gucken können. Deshalb nutzen ich und Nathalie jede freie Minute um hier wegzukommen. Deshalb steht auch unser Logbuch im Moment etwas hinten an. Also: Es geht uns gut.

Den wichtigsten Task habe ich gestern in Angriff genommen. Den Autopilot. Wir haben eine Jefa Steuersäule mit Gearbox, Antriebsmotor und Stangenverbindung zum gigantischen Ruder der MARLIN. Ich teste also den Antriebsmotor, die Elektronik und erkenne ein Problem in der Gearbox. Zwei dicke Zahnräder sind es, eins übertragt die Kraft des Steuerrades, das andere die Kraft des Autopilotenmotors, beide sind mit einem Federstift auf ihrer Welle befestigt. Beide Federstifte verrottet. Stah an Edelstahl mit Salzluft. Auf der Welle ist eine Nut für einen Keil vorgesehen und ein gefräst, aber nicht ausgeführt. Da wollte Jefa es gut und richtig machen und hat dann den Schrott mit dem Federstift gemacht. Das Zahnrad des Autopiloten dreht durch, das der Steuersäule kurz davor. Sprich, kurz vorm Ruderausfall. Danke für den siebten Sinn, dieses Teil zu zerlegen. Gar nicht auszudenken, was es bedeuten würde vor der kolumbianischen Küste mit Ruderschaden zu treiben. Das fehlt mir grade noch.

Jemanden zu finden der uns helfen kann ist gar nicht so einfach. Kompromisse sind wieder gefragt. Ein Keil kann nicht eingesetzt werden, weil das Zahnrad gehärtet ist. Zumindest habe ich Mohammed gefunden, der mir neue Stifte, diesmal aus Edelstahl da rein macht. Montag soll es fertig sein. Bis dahin liegen wir ohne Ruder am Steg.

Ein Handwerker gibt dem anderen die Hand und ich habe keine Ruhe mich auf irgendwas richtig zu konzentrieren. Das nervt. Ich bin halt nicht mehr multitaskingfähig. An der Wasser-Tankstelle kostet der Diesel für die Ausländer fast einen Euro. Wir müssen für die bevorstehende Tankreinigung unbedingt volltanken. Bei 1200 Liter Dieseltanks, nicht grade ein billiger Spaß. Vor ein paar Tagen spricht mich ein Local an und bietet mir an, den Diesel an der Tankstelle in der Stadt zu holen. Denn die Einheimischen zahlen nur 20 Eurocent für einen Liter. Wir einigen uns auf 36 Cent incl. Anlieferung. Zwei Tage kostet mich das Schleppen von Kanistern und einfüllen. Halbwegs illegal, aber was sollen wir machen. Das Geld rinnt uns wie Sand durch die Finger. Ich stinke nach Diesel.

Ein Bimini macht Carlos, denn ohne Schatten im Cockpit geht ja nun gar nichts. Der Vorbesitzer der MARLIN hat halt wirklich das Schiff nie fertig gemacht. Zum Beispiel gibt es keinen Mülleimer in der Küche. Mensch, der Ausbauer hat da wirklich gepennt. Wir entscheiden uns auf einen Schrank unter der Anrichte zu verzichten und ein Loch in die Arbeitsplatte zu schneiden um den Müll darunter in einen noch fertigzustellenden Mülleimer fallen zu lassen. Der Holzboden für das Cockpit und Pilothaus ist in Arbeit.

Unser Schiffzertifikat kommt aus Deutschland mit dem DHL Dokumentenkurier. Zumindest das geht. Und endlich hisse ich mit gemischten Gefühlen die Deutschlandflagge am Achterstag. So, jetzt sind wir deutsch. Ein richtig deutsches Boot. Stefan hat gezaubert und am Montag soll unsere Palette mit Ersatzteilen eintreffen, die ich dann selber am Flughafen abholen soll. Na, dass wird wieder einen Tag Nerven kosten. Ich könnte jetzt noch seitenweise weiter schreiben, aber Nathalie ist zum Markt gefahren um Lebensmittel zu besorgen und Mayalena wollen mit Papa frühstücken. Im Moment habe ich sie mit iPod geparkt. Nicht grade pädagogisch wertvoll. Aber Logbuch muss auch mal sein.

Jetzt aber schnell wieder loslegen, bevor die Sonne wieder steigt und das Paradies zur Sauna macht.






  • 07:12
  • 20.04.2013
  • 10°40.8190'N, 61°38.2188’W
  • -
  • Chaguaramas/Trinidad
  • Grenada
  • 30°
  • 10kn/NE
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