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Citylife

Muerto Montt?

Der Lonely Planet verliert kaum ein gutes Wort über unser neues zu Hause auf Zeit. Muerto Montt, das tote Montt, sei der Spitzname der Stadt Puerto Montt, womit alles gesagt sei, was man wissen müsse. Eine langweilige Stadt, gerade mal gut genug, um von hier in den Absprung in die zahlreichen Nationalparks zu machen, oder sich auf dem Rückweg noch mit ein paar Souvenirs zu versorgen. Hm. Wie gut, dass solche Betrachtungen Ansichtssache sind. Zugegeben, Puerto Montt hat keine idyllische Altstadt, keine imposanten Kathedralen und auch keine Strandpromenade mit schicken Cafes in denen man Milchkaffeegetränke mit Karamellsirup schlürfen kann, aber von tot kann keine Rede sein. Im Gegenteil.

Gestern Morgen werden wir zur Abwechslung von Sonnenschein geweckt und verlegen die Schule spontan auf den Nachmittag. Ab 14 Uhr soll das Barometer fallen, für den Abend und die Nacht ist Wind mit bis zu 55 Knoten vorhergesagt, warum also nicht die Ruhe vor dem Sturm nutzen um in die Stadt zu fahren. Mit dem Collectivo, dem lokalen Bus, fahren wir für 50 Cent in die Stadt, verpassen die Haltestelle und machen stattdessen eine halbe Stadtrundfahrt bis ins Unigelände und zurück.

Am Busbahnhof im Zentrum der Stadt steigen wir aus und stürzen uns ins südamerikanische Getümmel. An jeder Ecke bieten Gemüsefrauen ihre Waren aus dem Landesinneren an, 5 Maiskolben für 1000 Pesos, 1,20 Euro, Avocados, Tomaten, Chili, Koriander, geräucherte Muscheln, Äpfel, Weintrauben. Die Hände der Marktfrauen sind von der Arbeit auf dem Land gezeichnet, die Gesichter ebenso. Zwischen den vielen kleinen, chaotischen Läden, in denen man von der Plastikblume über den Regenschirm bis zur Bratpfanne alles kaufen kann, finden sich immer wieder Markthallen in denen Klamotten verkauft werden. Es ist sehr bunt, sehr laut und sehr südamerikanisch. Wir fühlen uns wohl. An einer Straßenbude halten wir an, um Pommes in Papiertüten zu kaufen. Maya und Lena sitzen glücklich mit ketchupverschmierten Gesichtern auf der Theke, als eine Truppe Gaukler vorbeikommt. 100 Jugendliche, wahrscheinlich ein Schulprojekt, ziehen jonglierend, tanzend und singend in Kostümen an uns vorbei, und drücken den verdutzten Kindern zwei Luftballons in die Hand.

Wolken ziehen auf, Zeit zur Marina zurückzukehren. Am Horizont färbt sich der Himmel lila, dem Barometer kann man beim Fallen zusehen und pünktlich auf die Minute setzt der Wind ein. Zur Sicherheit legen wir eine weitere Leine auf die Klampen und machen die Türen zu. Was für ein Luxus, dieses Unwetter sicher im Hafen abwettern zu können. Die Lady zieht und zerrt an ihren Festmachern, der Wind heult im Rigg. In der Nacht wird aus dem Heulen ein Kreischen, wenn die heftigsten Böen durch den Kanal zwischen Festland und der vorgelagerten Insel Tenglo pfeifen. Die Marineros des Clubs laufen in Schwimmwesten mit Kopflampen über die Stege, um die Leinen zu kontrollieren, gut zu wissen, dass auf die Boote achtgegeben wird, wenn die Eigner nicht an Bord sind. Heute Morgen ist der Spuk dann vorbei, Ententeich und Sonnenschein, als wäre nie etwas gewesen. 50 Knoten Wind mit Böen auf 70 wurden letzte Nacht auf Tenglo gemessen, viel weniger werden wir hier auch nicht gehabt haben. Die Kinder verziehen sich nach einem Besuch bei Eva und Hans mit ausgeliehenen Kinderbüchern in die Leseecke, Micha bekommt quadratische Augen von zuviel Computerarbeit und ich sage den Schimmelkolonien im Vorschiff den Kampf an. Noch eine Woche, dann sitzen wir im Flieger Richtung Sonne, Spargel und Erdbeeren.






  • 22:00:00
  • 19.05.2012
  • 41°30.0000'S, 072°59.2800W
  • Mouring
  • Club Nautico Reloncavi / Puerto Montt / Chile
  • Valdivia / Chile
  • 05°/ 1012 hpa
  • 10kn, N
  • 0m

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