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Der Tag nach der Bergung der BOMIKA

Ende gut alles gut.

Gestern bin ich auf der PATRIOTA mit 45 Knoten Rückenwind mit der BOMIKA im Schlepp in Puerto Williams angekommen. Der Hafen war natürlich geschlossen und so mussten wir erst einmal warten bis wir die BOMIKA in den Yachtclub schleppen konnten. Schlussendlich liegt Sie nun hier und im folgenden kann man die Berichte lesen die Berichte, die ich während der Rettung geschrieben habe und in Ermanglung einer Internetverbindung nicht veröffentlichen konnte.

11.2.2012, 23:00LT,54°57.0057’S, 070°45.9261’W

Frust. Wir haben versagt und sind frustriert.

Am Morgen um neun Uhr haben wir unser Ziel erreicht und BOMIKA am Strand gefunden. Hoch oben auf den zwanzig bis 50 Zentimeter dicken Steinen. „Mist. Kacke verdammte Alte!“, geht es mir über die Zunge. Das klappt nie, wie sollen wir die BOMIKA da bloß runter bekommen? Der Vormittag vergeht damit alles an Land zu schleppen, mit dem Dinghy, Baumstämme und Tonnen, Fender und Leinen an Land zu bringen. Die Sonne lacht. Karl, der Eigner der BOMIKA hat einen Fischerneoprenanzug geliehen, eine Neoprenlatzhose mit angeklebten Gummistiefeln, die ich mir unter den Nagel reiße. Nachteil, ich stehe fast den ganzen Tag im Wasser und räume Steine aus dem Weg um den Weg zurück ins Wasser für BOMIKA freizumachen.

Alle sind sehr zuversichtlich, optimistisch, bis wir die Bavaria mit zwei hydraulischen Stempeln so weit angehoben haben um Baumstämme, Fender und Holzbohlen unter den Rumpf zu schieben. Wir entdecken zwei große Leckagen. Aus Punta Arenas, hat Ronnie noch gut zwei Liter Unterwasserepoxy besorgt. Die grüne Masse kommt jetzt zum Einsatz. Karl legt die Stellen von Innen frei. Unter dem Kühlschrank klafft ein handgroßes Loch. Der allgemeine Optimismus schlägt in allgemeinen Frust um. Die Plastikhülle der Bavaria ist an der Stelle grade mal 5-6mm dick. „What?“ Man sollte die wirklich verklagen, dass sie so einen Schrott produzieren. Am härtesten trifft es Ronnie, den Kapitän der PATRIOTA. Nachdem wir bei Ebbe die Löcher mit Expoy, Holzplatten von innen und außen, abgedichtet haben, seilt sich Ronnie ab zu seinem Schiff, die Mundwinkel weit unten. Der Rest der Crew schuftet weiter. Heute Abend wollen wir die BOMIKA von den Steinen runterziehen.

Gestern habe ich meine Kockkünste zur Schau gestellt. Heute Abend schlägt mich Ronnie. Sein Huhn aus dem Backofen ist der Hit, alle sind satt, die Motivation steigt.“Let’sgoandget her off thestones.“ Die Wette gilt, Karl und ich fahren schon mal zum Schiff um die Lage zu checken, die Flut ist da. Schlechte Nachricht, sie ist wieder vollgelaufen. Gute Nachricht, eine kleine Bilgenpumpe senkt den Wasserspiegel innerhalb einer halben Stunde um ein paar Zentimeter. Wir holen Werner und mit der Honda Benzinwasserpumpe ist das Wasser innerhalb von fünf Minuten abgepumpt. OK. Scheint wohl nur ein kleines Restleck zu sein. Die Lecks sind nur mit Wasser von draußen zu bemerken, dann aber nicht mehr hinter den Einbauten im Boot zu lokalisieren.

Das Wetter wird schlechter und schlechter. Es regnet, es schneit, es ist kalt und für den nächsten Tag ist Sturm angesagt. Nichts Besonderes für hier. Und hier, wo wir grade sind ist um die Ecke offener Pazifik, wo die See des herein tobt. Sicher mache ich mir immer wieder Gedanken warum das eigentlich passieren musste. Vielleicht ganz gut, dass ich jetzt noch mal sehe, was passieren kann, wenn man auf eine Landleine verzichtet und es einem dann kalt erwischt mit einer Reihe von schlechten Zufällen. Aber es ist ja auch egal. Passiert ist passiert.

Um acht Uhr abends ist Hochwasser. Ronnie kommt mit der PATRIOTA und nimmt die Leine auf. Anneliese, der Außenborder der IRON LADY tut seit dem Morgen brav seinen Dienst, sägt immer wieder mit Vollgas Schneisen durch die Kelpwälder, dreißig Mal zum Mutterboot und zurück. Ich hab aufgehört zu zählen. Ich habe einen dicken Tampen um den Kiel ausgebracht, nach Vorne mit einer Leine auf die vorderen Festmacher, mit einer Leine auf die Wantenpüttinge. Ronnie gibt vorsichtig Gas, die Sicherungsleinen platzen nur so weg. Wir versuchen noch die hintere Klampe mit zu belegen, auch die reißt mit einem lauten Knall aus ihrer Verankerung. Hmm. So kommen wir nicht weiter. BOMIKA bewegt sich kein Stück. Wir brechen die Aktion ab.

Bei der Lagebesprechung auf der PATRIOTA ist schlechte Laune angesagt. Karl sagt nicht viel, auch weil viel in Spanisch diskutiert wird, ich nicht ununterbrochen simultan übersetzten kann, außerdem merkt man deutlich wie ihm natürlich die ganzen letzten Tage zugesetzt haben. Werner blubbert in brasilianisch und versucht die Wörter spanisch auszusprechen. Ronnie will, dass wir die privaten Sachen runter holen von der BOMIKA und nach Hause fahren. Es geht auch um die 200 Liter Diesel, die an Bord noch im Tank sind. Eine richtige Genehmigung zur Bergung haben wir nämlich nicht. Das stinkt nach Ärger. Viel Ärger und Ronny will nicht der Verantwortliche sein. Mir fehlt auch langsam die Kraft. Ich brauche dringend eine Mütze Schlaf. Werner ist nicht totzukriegen. Er hat eine schier unendliche Energie. Die Stimmung ist verfahren und wir einigen uns darauf morgen den Diesel abzupumpen und noch mal einen Versuch zu machen. Alle haben bis zur Erschöpfung den ganzen Tag geschuftet. Ich lege mit der Crew noch eine Landleine und ab in die Poofe.

12.2.2012, 23:00 LT, 54°57.0057’S, 070°45.9261’W

Bergung der BOMIKA Tag III. Rutschpartie in den chilenischen Kanälen

Nach einer Nacht Schlaf geht es weiter. Ab in die nassen Klamotten. Statt Sonnenschein. 30 Knoten Wind, Dauer Eis- und Windregen. In meinem Neoprenanzug trage ich eine Jeans, lange Skisocken, lange Unterhose. Oben alles was ich mithabe und die gute HH Segeljacke. Im Gegensatz zu Werner bleibe ich trocken. Ronnie ist auf der PATRIOTA geblieben. Er glaubt nicht daran, dass wir erfolgreich sind. Man merkt schon, dass er sich denkt: Lass die Verrückten mal machen. Und so fängt Karl an seine Sachen zusammenzusuchen in dem schrägen Boot, die er mitnehmen will wenn wir heute Abend ohne die BOMIKA zurück nach Puerto Williams fahren. Werner und ich arbeiten bis zur Hüfte im eiskalten Wasser, räumen Steine weg, legen einen neuen Baumstamm unter die Bavaria. Oliver taucht mit seinem Kat aus dem Nichts auf und hilft den Diesel abzupumpen. Werner und mich ergreift der Wahnsinn. Wir haben uns in den Kopf gesetzt, die BOMIKA um 45 Grad um den Kiel zu drehen, um sie dann auf den Fendern, Tonnen und Baumstämmen in Wasser ziehen zu können. Wir wissen Beide, dass wir nur einen Versuch haben, dann fährt Ronnie nach Puerto Williams, notfalls eben ohne uns. Wir verlegen den Anker mit 50 Meter Kette zum nächsten Stein. Fünf Mal drehen wir riesige Steinbrocken, knallt die Kette uns um die Ohren, bis wir endlich einen Felsspalt finden, wo die Kette hält. Die Zeit rennt uns weg. Mit einem Kettenzug will ich die Nase der Bavaria drehen, Werner setzt mit zwei Hydraulikhandzylindern und dicken Planken Zentimeter für Zentimeter von unten nach. Scheißjob. Mit tun die Finger weh. Die Kette des 1T Kettenzug reißt. BOMIKA bewegt sich kein Stück. Ich habe Angst, dass mir die Kette um die Ohren fliegt, die auf voller Länge von 40 Metern so gespannt ist, dass sogar ich mit meinen 100 kg darauf Seiltanzen könnte. Sie singt quasi. Als Karl noch einen dieser japanischen Seilzüge findet den ich über ein Tampen mit Stopper Steg benutzen kann um die Haken zu versetzten, ohne das die Spannung aus der Kette geht, kommen wir an den Punkt. Mit erst leisem, dann lauten Krachen bewegt die BOMIKA sich. Es geht, es geht doch. Jetzt arbeiten Werner und ich zusammen und drehen den Kahn mit dem Hintern Richtung Meer. Hört sich einfacher an, als es ist. Drei Stunden brauchen wir um den Bug der BOMIKA etwa vier Meter zu drehen, so dass das Boot endlich richtig liegt. Vor und achterlich auf Baumstämmen, seitlich ebenfalls auf einem Baumstamm und nicht die gefährlichen Steine berührt.

Ronnies Laune hat sich gebessert und in seinem Ofen hat er ein richtiges Holzfälleressen gezaubert. Karl bleibt an Bord, während wir erschöpft auf der PATRIOTA eine Pause einlegen. Wir müssen eh warten, warten auf das nächste Hochwasser um 20 Uhr. Um 19 Uhr ruft Karl von der BOMIKA auf VHF. „BOMIKA bewegt ihren Hintern in den Wellen!“ Hoffnung kommt aus. Werner und ich wieder ins nasse Ölzeug und mit dem Dinghy über die Bucht. „Wow, der Mast bewegt sich.“ „Jetzt aber schnell, bevor sie sich wieder ein neues Loch in den Rumpf haut.“ Die Leinen liegen bereit, die PATRIOTA kommt nah an den Strand, Karl und ich verknoten die 30mm Tampen mit Palsteks und nehmen Abstand. „OK! Ronnie. Go.“ Beim zweiten Rumms mit ordentlich Schwung, rutscht BOMIKA einfach so vom Strand ins tiefe Wasser und liegt wankend im Kelb. Karl löst die Ankerkette und lässt sie durchrauschen. Ich sprinte zu Werner, der im Inneren kontrolliert wie viel Wasser wir machen. „Normal. Schafft die Bilgenpumpe! Give me Five, We did it!“

In Karls Schiff sieht es schlimm aus, aber egal, Hauptsacher der Kahn schwimmt wieder. Wir holen noch die Ankerkette, das Dinghy, das Werkzeug. Die Baumstämme bleiben am steinigen Strand. BOMIKA ist längsseits an PATRIOTA vertäut. Viele Hände helfen jetzt, da knickt meine Energiekurve grade mal durch und ich entledige mich des Fischerneoprens mit den etwas zu kleinen Gummistiefeln um die Blutzirkulation in meinen Füßen zu reaktivieren.

Der Versuch BOMIKA seitlich angeleint zu schleppen scheitert als Ronnie die Nase der PATRIOTA um die Ecke der schützenden Bucht ins offene Wasser steuert. Innerhalb von einer Stunde wäre BOMIKA ein Totalschaden. Also wieder in die Bucht zurück und Schleppleine dran. Keine Stunde später ist das Duo unterwegs zurück nach Puerto Williams. Alles wird gut. 105 Meilen to go. Es wird dunkel. Karl und Werner sind auf der BOMIKA. Gut das Werner seinen orangen Überlebensanzug anhat. Den wird er brauchen, denn die Maschine von Karls Boot funktioniert nicht und damit auch nicht seine Heizung.






  • 09:00:00
  • 14.02.2012
  • 54°57.0057'S, 070°45.9261'W
  • 0°/-kn Anchor
  • Puerto Williams / Chile
  • Ushuaia / Arentina
  • 5kn, NW
  • -m

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