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Angekommen in Uruguay

Mate

So, sieben Uhr, mal schauen ob ich das hinbekomme einen Logbuchbericht zu schreiben, bevor meine drei Frauen wach sind und es wieder vorbei ist mit der Ruhe auf der LADY. Lena liegt vorne bei Nathalie und hat schon ein Prisemut Buch in den Händen, Maya schnarcht noch von achtern. Ansonsten ist es uruguayanisch entschleunigt still im Hafen von Colonia del Sacramento.

Es war wohl eine kleine Vorahnung als wir statt Pier oder kostenlos vor Anker eine Mouring aufnahmen vorgestern. Nathalie fädelte den Festmacher chirurgisch perfekt mit dem Enterhaken in die Öse. Ohne Motzen und Schreierei. Wenn wir uns beim Segelhochziehen auch mal so einig gewesen wären. Maya war der Hit bei der Überfahrt von Buenos Aires. Ich hatte mir ernsthaft echt Sorgen gemacht ob die quasi auf dem Schiff geborene, nicht wieder sofort nach Hause will. So anti waren alle Bemerkungen und Ängste vorm Segeln. Es war 10 Knoten Gegenwind und statt Segel lief der Johann mit 2.200 Touren, mit neuen Ventilen im Kühlkreislauf, denn hier unten werden wir ihn etwas mehr brauchen müssen, etwas mehr PS aus ihm herauskitzeln müssen, gegen die Winde und die Strömungen. Eine zusätzlicher Lüfter im Motorraum sorgt dafür, dass die etwas öligen Gerüche bei diesen Umdrehungen nach Außenboard geführt werden. Beides funktioniert, Maya, die Kühlung von Johann und auch die am Kühlkreislauf angeschlossene Gebläseheizung, ganz unten am Boden des Salons, die wir bei dem Weg entlang des Äquators natürlich nie anhatten. Maya jauchzte vor Freude und wollte sich ständig mit mir zusammen auf dem Gaskasten vorm Mast sitzend, den Gegen- und Fahrtwind um die Nase blasen lassen. „Was ist das für ein Leuchturm?“ „Das ist eine Fahrwassertonne.“ Frage um Frage schloss sich an und auch Lena hört immer gebannt zu. Die Festplatten der beiden sind leer und es kommt mir vor, als wenn die Schule mit Nathalie, die Nachmittags zu Ende geht, danach praktisch einfach fortgesetzt wird. Es passiert ständig was und vor allen Dingen, ständig was neues. Für zwei Jahre sollte das sicherlich reichen um Langeweile ausschließen zu können und ein Basiswissen an Lebenserfahrung zu sammeln, die das weitere Leben positiv ausrichten wird.

Und so kam es dann letzte Nacht, dass die Front aus NW sich nicht nur im Windfinder auf dem Rechner ankündigte, sondern vor allen Dingen am Himmel über Colonia. Wir waren grade alle beim Entspannen nach den unzähligen Flugzeugen in der Werft unter der Einflugschneise des innerländischen Flughafens von Buenos Aires. Wir schafften es grade noch zurück auf die LADY mir dem Boot der Hydrografia (staatliche Hafenmarina). Unser eigener Außenborder streikt leider. „Aber kann mich das tangieren?“ „Nö.“ Etwa um Mitternacht weht es in Böen mit vierzig Knoten und aus der halben Meile bis zum Land baut sich eine ordentliche kurze, steile See auf. Die Kinder fallen fast aus der Koje in Nathalies Arm und ich in Montur an Deck, denn nur ein Festmacher scheint mir dann doch nicht genug, den zweiten hatte ich schon vorbereitet und einen dritten ziehe ich durch die starke Mouring der Hydrografia. Das Dinghy tanzt wild hinter der LADY und morgen werde ich mich ärgern, weil grade aus dem Tank Benzin und Öl ins Dinghy läuft und ich alles unter den neugierigen Fragen meine Töchter sauber machen muss. Aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht. Eine schöne alte Holzyacht liegt an der Steinpier und es sieht so aus als wenn der Bug auf die Pier haut, so tanzt die Yacht in den Wellen. Aber keiner ist zu sehen, weder von der Prefectura, noch ein Marinero und auf dem Boot ist auch keiner. „Aua!“, denke ich mir, aber ich hab viel zu sehr mit meinem eigenen Zuhause zu tun, als mit bei dem pfeifenden Sturm um andere Yachten zu kümmern. Nach zwei Stunden hab ich mich an die See gewöhnt, Vertrauen gefunden zu den Festmachern und bin auch müde. Raus aus dem Ölzeug, ab in die Kinderkoje, die ist meist frei um die Zeit. Die LADY tanzt wie auf See. Und ratzen.

Das Leben an Bord lässt sich mit dem Leben an Bord ohne Kinder nicht vergleichen. Es ist etwas vollkommen neues, für uns unbekanntes. Das kann man sich nicht vorstellen oder erklären. Das ist einfach unglaublich. Die positiven Seiten sind viel positiver, die negativen Seiten sind viel negativer. Das kommt durch die Enge an Bord. Sobald die Kinder wach sind wollen sie unsere Aufmerksamkeit und dann ist es vorbei mit den eigenen Bedürfnissen. Die Schule beginnt nicht um neun und endet um Eins, sondern bei Sonnenaufgang und endet bei Sonnenuntergang mit dem Abendessen und Zähneputzen und ins Bett bekommen. Dann haben die Eltern Zeit für sich und private Bedürfnisse, bis sie erschöpft einschlafen. Wir machen quasi alles zusammen, sind eins, keiner geht zum Kindergarten, zur Schule weg, kein Au Pair Mädchen gibt uns etwas mehr Zeit und die Arbeiten am Boot, die notwendigen Arbeiten, kann nur ich machen, wenn die Kinder mit Frau Oberlehrerin am Tisch sitzen. So kommen wir nie weg. Mag sich negativ anhören, ist es aber nicht. Es ist halt alles langsamer und das Ziel sind nicht Meilen sondern Lebensminuten, Lebenqualität und ein anderes, alternatives Familienleben. Wie das kompatibel wird mit der ToDo Liste an Bord, die abzuarbeiten ist , bevor man sich auf den Südatlantik traut um nach Feuerland zu segeln, werde ich vielleicht im Dezember wissen oder auch nicht. Aber egal. Darum geht es nicht mehr.

Maya und Lena sind wach. Nathalie versucht zu lesen. Ich musste meine iPhone hergeben zum Labyrinth spielen. Das hält jetzt noch 15 min. Schnell noch das daypic und die eigenen e-mails überfliegen. Lunatronic mache ich auch noch irgendwie und das Frühstück steht leider auch nicht von alleine auf dem Tisch. Gut das Nathalie da ist, die hat es gestern geschafft zwei Brote zu backen. Seit gestern hat Papa seine Mate Tasse wieder und das Leben ist wieder uruguayisch entspannt. Da kommt mir Nathalie zuvor und fängt an den Frühstückstisch zu decken.






  • 07:05:00
  • 08.10.2011
  • 34°28.0900'S, 057°51.1900'W
  • 0°/0kn
  • Colonia del Sacramento / Uruguay
  • Riachuelo / Uruguay
  • 19,5°/16°
  • 5kn NE
  • 0m

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