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Neunter Tag auf See

Halbzeit

743nm to go to St. Helena. Vollmond. Der Mond steht im Zenith über der LADY. Rauschefahrt. Der South Easterly bläst in seiner voller Stärke. Die LADY segelt wie ein unruhiges Tier. Fock und Genua sind ausgebaumt. 1/3 Groß als Stützsegel. Sieben Knoten, die Welle runter im Surf bis zu 10 Knoten auf der Logge. Nein, dass ist keine Kaffeefahrt, was wir hier machen. Nur unter voller Besegelung läuft unser Boot einigermaßen ruhig. Wenn wir reffen, fängt das ganze Boot an zu pendeln, Waschmaschine, dann fliegt uns unter Deck alles um die Ohren. Also doch besser Vollzeug, da kommt alle paar Minuten eine Große, große Welle, die 11 Tonnen Stahl mal eben umherwirbelt. Nein, dass ist keine Kaffeefahrt, was wir hier grade machen. Zum Wachwechsel stehe ich ohne Wecker auf, kontrolliere meine Crew, ob sie auch schön angeschnallt ist. Nicht auszudenken, was wäre wenn wir auf der anderen Seite mit weniger Leuten ankommen würden als losgefahren. Vergisst man als Crew schon mal, für mich die größte Sorge, die mich nicht ruhig schlafen lässt.

Wir rauschen weiter durch die Wellen der Nacht. Die Wellen heben das Boot, brechen unter dem Ruder und sanft geht es wieder drei Meter runter. Wunderschönes Segeln. Ohne andere Boote, ohne Küsten. Wochenlang offenes Meer. Einsamkeit. Horizont. Hat was, was ganz besonderes, was man überhaupt noch an Abenteuer erleben kann.

Bordstimmung gestern wechselhaft. Normal. Halbzeit. Gut das wir das Bergfest ausfallen lassen. Den Wein dafür haben wir schon in Hout Baai ausgetrunken. Und meine Crew ist, wie der Skipper auch, trinkfest. Wäre jetzt auch gar nicht gut. Besser auf St. Helena. Löst ja doch immer sehr das Respektlevel unter allen. Jeder nimmt heute mal das Wort Blues in den Mund. Normal. Halbzeit. Bis dahin sind immer alle begeistert, dann will man nur noch eins. Ankommen, am nächsten Felsen im Wasser, der einen Namen hat, eine Kneipe und vielleicht ein Telefon. Vergisst man später, aber jetzt ist das so. Spätestens beim Bier in der Hafenkneipe sind wir alle wieder die Helden. War’s nicht immer schon so? Die Seeleute. Wundersames Volk.

Gestern, erster Funkkontakt zu anderen Wahnsinnigen. Auf der 12.353 rufe ich die deutsche SY Hippopotamus. Ich kann den Namen nicht aussprechen. Kurz überlege ich ob ich Nilpferd für Eiserne Dame rufen soll. Aber das kann ja auch doof rüberkommen und ich bin ja immer ein bisschen prädestiniert in herumstehende Fettschalen zu laufen. Also lasse ich das und komme mit Eckard von der Azimuth ins Gespräch, der vor Receife/Brasilien kalmt mit 5 Knoten Wind. Rund 2000 Meilen entfernt kommt er auf der LADY an, als wenn er hier stehen würde. Das ist Kurzwelle. Auch mir reportet er 5/5, was mit meinen 10 verbleibenden Watt echt ein Wunder ist. Unsere Googleposition stimmt übrigens nicht, weil wir seit Hout Baai keine Verbindung mehr zum Winlink Knoten machen konnten, worüber wir unsere automatischen Positionsdaten senden. Ich habe Benny schon gebeten, dass zu ändern. Was würden wir nur ohne Benny machen.

Gedanken. Neben dem Bootsalltag, also 24h Skipper sein, bleibt mir etwas Zeit um über mich selbst nachzudenken. Nicht viel, weil da ist ja auch noch meine Familie, die ich sehr vermisse. Frage mich immer, wie es denn jetzt wäre mit der Capitana und den Kids über den Teich zu setzten. Muss für sie ja auch ganz schön komisch sein, zu sehen wie ihr Boot ohne sie segelt. Gedanken. Das ganze zieht noch einen Rattenschwanz an Gedanken hinter sich her. Gut, dass ich meine Wache morgens und abends von 3-6 habe. Grade die Morgenwache eignet sich besonders gut zum Nachdenken. Auch wenn dabei eigentlich nix bei herauskommt, was anders wäre als bisher. Die einzige Zeit, in der ich mich mal alleine fühle :-), auch wenn Rainer von achtern schnarcht, vorne Wolfgang rumrödelt und Thomas in der Familienecke schnorchelt. Gestern hab ich fast nix repariert, das doch schon mal nen gutes Zeichen.






  • 03:30
  • 31.03.2010
  • 24°37.89'S 003°45.60'E
  • Southern Atlantic Ocean
  • St. Helena
  • 21,5° 1020hpa 8/8
  • 22°
  • 20-22kn/SSW
  • 1-2m

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