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Nachtleben

Fallböen

Ich konnte gestern Abend nicht einschlafen; weiß der liebe Gott warum. Dann plage ich mich mit einer Mückefamilie rum die mich zum Festmahlsschmaus auserkoren hat und um drei werde ich wach vom Schlagen des Sonnendachs. Schnell die Hose an und nen Pulli und die Plane über dem Cockpit runter geholt, als es anfängt von einer Minute zur anderen den Berg runterzublasen. Fallwinde. 40 Knoten. Na prima. Die LADY legt sich auf die Seite und der Anker ruckt ein. Ich aufs Vordeck und noch mal zwanzig Meter Kette raus. Schön langsam in fünf Meter Schritten. Liege voll auf Legerwall. Hoffentlich hält der Bügelanker. Ich starte mal lieber den Motor. Es ist stockfinster und neben mir liegen drei andere Boote, die alle gleichzeitig auf die Drift Richtung Strand gehen. „Na Jungs, ich kann euch nicht helfen, mir fehlen selber grade mindestens ein Mann um hier wegzukommen.“ Vollkommen irrealistisch den Anker hoch zu bekommen. Ich liege so nah unter Land, dass ich sofort auf Grund laufen würde, wenn ich den Anker hoch hätte und versuchen würde wieder an den Steuerstand im Cockpit zu kommen. Vielleicht doch mal Zeit für einen Schalter für die Ankerwinsch im Cockpit, geht mir durch den Kopf. Wie immer, wildes Scheinwerferlicht von den andren Booten, damit man auch ja nix mehr sieht. Eine Stunde später liegen die alle mitten in der Bucht. Nur der deutschstämmige Südafrikaner, der in seinem Boot hier festgewachsen ist, den ich aber nicht kenne, bleibt mir treu.

Schlafen gehen ist nicht und mit leicht weichen Knien hoffe ich, das es das war und so ist es denn auch. Nach einer Stunde sind die fetten Böen durch und es wird langsam hell. Das Teewasser kocht und ich hab ne Stulle im Mund, als es an der Bordwand klopft. Da steht ein kleiner Junge in seinem Dinghy. „Hey, we need your help. We are dragging…! I am alone with my mother.“ Das fehlt mir noch. „O.K. Ich komme!“ Kathy?, (Mein Namensgedächtnis ist wie ein Sieb. Ich sollte immer was zu schreiben dabei haben.) ist vollkommen aufgelöst. Sie haben im Saco de Ceu gelegen, ein dicker Trawler ist gedriftet und voll auf sie drauf. Ein Anker hat sie verloren, vielleicht der Propeller beschädigt. „Das totale Chaos in dem kleinen Loch.“ „Hmm, und was ist Dein Problem?“ Die STRONG LEG liegt mitten in der Bucht von Abraao mit 65 Meter Kette. Gut nen bisschen holprig aber ansonsten ist doch alles gut. „Wir sind zu nah an den Felsen.“ Ich beruhige sie. Vor lauter Panik hat sie die volle Ankerkette gegeben und bekommt den Haken mit dem Stopperseil nicht drauf, weil die Ankerwinsch kaputt ist. Die Kette ist am Boot mit einem Schäkel fest. Ohne Seil dazwischen. „Hmm. Wo ist der Sicherungsschalter?“ O.K. War nur der Schalter raus. Das Problem ist in fünf Minuten erledigt und ich bleibe noch ein bisschen bei den beiden Helden. Dave ist grade in den Staaten und kommt Dienstag zurück. Die STRONG LEG hat ein Jahr lang neben der IRON LADY in der Knysna Marina in Süd Afrika gelegen. Da hat man ein bisschen was zu erzählen. Man sieht sich eben immer zwei mal im Leben.

Der Rest des Tages vergeht mit Regen, Regen, Regen. So sind Kaltfronten eben. Ich nutze die Zeit um meinen Skipperpflichten nachzukommen. Passage Planung für den Trip nach Buenos Aires. Die Cruising Guides durchlesen, mir die Hafenpläne anschauen. Entfernungen durchrechnen und Wetterphilosophien studieren. Für nächste Woche sehe ich zum ersten mal nen Wetterfenster nach Süd. Kurz aber prägnant. Da muss das Timing genau stimmen. Nix Kaffeefahrt und Passwind von hinten. Wenn die Planung nicht stimmt gibt es direkt eins auf die Mütze mit 40 Knoten aus Süd. Im Plan drei Teilstücke. Florianapolis, Rio Grande, Montevideo. Je ca. 350 Seemeilen. Wenn das Wetter es zulassen sollte, natürlich nix wie durch. So langsam kribbelt es wieder unter dem Kiel. Die LADY zieht an der Ankerkette und ich bekomme Segellust. Wenn es jetzt noch aufhören würde zu regnen.






  • 20:28:00
  • 05.09.2010
  • 23°08.3230'S, 044°09.3979'W
  • 0°/0kn
  • Abraao, Ilha Grande, Brazil
  • Argentinien
  • 22°/1014hpa
  • 19°
  • 10kn/SE
  • 0m

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