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Reisen macht frei

Behörden II

Der Tag beginnt früh. Raus aus der LADY, schnell noch einen übervollen Seesack mit Wäsche zur Lavanderia und Bus fahren. Bus fahren ist geil. Der Weg führt zum Zoll nach Angra dos Reis. Genehmigung einholen, die LADY bei Aldo zu lassen. Alles muss seine Ordnung haben, auch in Brasilien oder grade in Brasilien. Behördengänge, my favorite, I love traveling. Mir fehlen meine Weiber. Nix schöneres wäre es als mit meinen Töchtern in Brasilien herumzureisen. Aber das wird schon noch werden. Das Ziel ist der Weg. Auf jeden Fall sitze ich im Bus und bekomme endlich mal ein paar Landeindrücke von diesem wunderschönen Land. Mir wird klar, warum Brasiliens Landesflagge grün und gelb ist. Das Land ist das reinste Suppengrün, dichter Dschungel, gelb ist die Sonne. Alles erinnert mich an Panama, auch die Fahrt mit dem Bus, die freundlichen Menschen, die eine so unglaubliche Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlen.

Die Fahrt genieße ich den Blick in die Bucht der Ilha Grande. Über 300 kleine grüne Insel zieren die Eindrücke, einsame Buchten und überall Boote, Yachten und ein Atomkraftwerk. Häh. Das verwirrt mich grade etwas, aber ich will ja hier nicht leben. Die Dinger gibt es einfach und die Zeiten, dass ich dagegen demonstriert habe sind wirklich vorbei. In meinem Kopf schwirren die Gedanken um meinen Heimflug nach Deutschland, die Mails von Natale sind schon wieder so hektisch, alles muss geplant sein und ein Termin jagt jetzt schon den anderen. Eine andere Welt und nach den Wochen auf See, Abschied von Knysna, Hout Baai, St. Helena und Rio, kommt mir Deutschland so fremd vor. Nein, ich freue mich nicht, ehrlich, ich würde lieber hier bleiben, mich um die LADY kümmern und Portugiesisch lernen, Brasilien bereisen, mit dem Bus ins Inland fahren und reisen, reisen, reisen… .

Der Busfahrer hat es eilig, muss portugiesisches Blut in den Adern haben. Festhalten! Ob mir der Zoll die Genehmigung gibt die LADY an meinem Wunschort zu lassen? Ich kann vorher immer noch kein Flugticket buchen. In ein paar Stunden weiss ich mehr. Die Fahrt zieht sich und das Suppengrün wird grüner und grüner. Leo von der LAHNA Besuch von seiner Frau Christiane bekommen und gestern abend hab ich ihr direkt nen Buch von uns aufs Auge gedrückt. Sie ziert sich mit ihm in den Pazifik zu gehen und er würde so gerne. Auf das das Buch hilft. Soll ja schon andere auf den richtigen Weg gebracht haben um die Welt zu umsegeln. Dafür bekomme ich Steak, Bier und Schnaps, dessen Namen ich mir nicht merken kann. Deshalb sind meine Augen auch noch ein bisschen verklebt heute morgen. Der Supppengrün angereicherte Wind aus dem offenen Fenster macht mich wach.

Angra dos Reis ist eine lebendige Hafenstadt alias Südamerika. Das Leben brummt, hunderte von Geschäften, bildhübsche junge Brasilianerinnen, die auf alten Kanonen sitzen und mit ihren ebenfalls gutausehenden Boys knutschen, schade das ich es mal wieder eilig habe. Natürlich steige ich an der falschen Bushaltestelle aus. Gegenüber die Polizei, Dein Freund und Helfer. Die werden wissen wo es lang geht. Fünf schwere Jungs stehen vor mir, alle in schusssicheren Westen. „Bist Du Spanier?“ Einer von ihnen kann es fließend, das Spanisch und wenn ich nicht grade zum Zoll müsste, würde ich jetzt mit den Jungs in der nächsten Eckkneipe sitzen und meine Geschichte erzählen, so nett sind die. Wie würde Thomas sagen: „Hammer! Einfach Hammer!“

Jedermanns Sache wäre das hier nicht. Wer den Pauschalurlaub sucht und seinen Tag nicht selber gestalten kann, wer keine Bauruinen mag, dem der Anblick von Slums und Armut Angst macht, der sollte nicht in Brasilien über Land reisen. Reich und Arm sind hier deutlich getrennt und Arm überwiegt, aber Arm ist netter als Reich. Hab ich das jetzt richtig rübergebracht? Irgendwann komme ich an dem Zoll an. „Da hinten in der Ecke an der Tür mit dem Fenster und dem kleinen Stehpult, da klopfst Du!“ „O.k.“ Ich klopfe – keine Reaktion. Ich klopfe noch mal, eine genervte Stimme brüllt irgendwas von drinnen. Wahrscheinlich war das Intervall des Klopfens zu kurz zu deutsch. Hmm. Das kann ja nett werden. Das Fenster geht auf und ein netter Brasilianer steht vor mir. Mit glasklarem Deutsch begrüßt er mich, nachdem ich mein Anliegen auf Spanisch erklärt habe. Es sei schon lange her, dass er Deutsch gelernt habe und wir wechseln zu ebenso gutem Castellano (Hochspanisch!). Alles kein Problem, gibt es hier in Brasilien eigentlich Probleme? Anscheinend nicht. Ich muss die LADY in Zollverwahrung geben, da ich länger in Deutschland sein werde als 3 Monate. Das heisst, die LADY muss an einer Mouring sein, abgeschlossen und darf nicht benutzt werden. Na, dass entspricht ja genau meinen Vorstellungen. Also. In welcher Marina soll die Dame denn bleiben? Aehm. Ich zücke Aldos bunte Visitenkarte und ernenne ihn zur Marina Aldo! So schnell kann man eine Marina werden. Dem netten Herrn reicht das, ich bekomme zwei Fomulare, eins für mich und eins für Aldo und morgen darf ich mit den unterschriebenen Dokumenten wieder kommen, alles wird amtlich. Das wird Natale gefallen, die immer alles gerne ganz genau nimmt mit den Papieren. Morgen wieder drei Stunden Bus hin, drei Stunden Bus zurück. Ich liebe Reisen. Inzwischen sitze ich schon wieder im Bus zurück nach Parati, das Atomkraftwerk fliegt an mir backbord vorbei und der Fahrer hat es wieder eilig, gleich bricht ihm die Achse, wenn er so weiter knüppelt. Festhalten.






  • 11:02
  • 12.05.2010
  • 23°12.33'S, 044°39.62'W
  • Parati, Ilha Grande / Brasil
  • Montevideo / Uruguay
  • 24° 1011hpa 8/8
  • 27°
  • 1kn SE
  • 0m

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