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Landfall

Morgens duempeln wir noch immer mit knapp drei Knoten. Es hilft alles nichts, der Blister muss wieder ran. So langsam optimieren wir das Blistersegeln, neue Umlenkrollen am Heck, Holepunkte versetzen. Nach einer halben Stunde spielen rauscht die Lady mit 5 Knoten Richtung Port Blair. Wer sagt es denn. Tolles Segel. Die See ist glatt, das ist wie Zug fahren, oder Strassenbahn.
Delfine und Pilotwale kommen im Stundenrhythmus als Begruessungskomitee und ich bastele noch schnell eine indische Gastlandflagge.

Alle paar Stunden versuchen wir, mit Port Blair Port Radio Kontakt aufzunehmen, denn die Behoerden sollen es ziemlich genau nehmen. Gutes Benehmen ist gefragt. Sagen die Buecher. In Wirklichkeit sieht das anders aus, die HF-Kanaele scheint keiner abzuhoeren, erst 15 Meilen vor dem Hafen bekommen wir ueber UKW Kontakt. Endlich wieder ein Englisch, dass man verstehen kann! ;-) Der Mann an der Funke klingt nach Chutney, scharfen Curries und Dal, kurz, nach Indien. Die Vorfreude auf das, was kommen mag, waechst. Wir sollen uns wieder melden, wenn wir noch eine Meile entfernt sind. Gut, gut.

So langsam muss der Blister runter, der Wind kommt fast von vorne, wenn man diesen Hauch ueberhaupt noch Wind nennen kann. Kind sicher im Cockpit, Skippers nach vorne, zu zweit geht alles besser. Denkste. Da klemmt das Fall am Mast, Maya fuehlt sich einsam und schreit, Nathalie eilt nach hinten, ueberlaesst das Fall dem Fall, Micha bekommt es entklemmt und schwupps rauschen fast 100 qm Segel ins Wasser. So ein Mist. Gut, dass er wenigstens schon im Strumpf war. Wieder an Deck mit dem Lappen und erneut hissen. Trocknen, denn wir wollen ja nicht noch mal blaue Flecken auf dem weissen Stern haben. Geht eben doch nicht alles besser zu zweit, oder, zu zweit schon, aber nicht zu dritt… ;-)

Kurz vor Einbruch der Daemmerung erreichen wir Port Blair, der Hafenmeister verweist uns auf einen Ankerplatz weit weg von der Stadt und anderen Schiffen. Wahrscheinlich, damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen und uneinklariert dem Duft der Curries in die Stadt folgen. Morgen frueh kommen die Officials an Bord. Wir sind gespannt.

Aus dem Urwald kommen unheimliche Geraeusche. Seltsame Voegel, die wir noch nicht kennen. Auch Maya guckt verwirrt beim Schrei der Tiere und verzieht die Mundwinkel nach unten. Angst. Das kenne ich noch nicht. Und das von einer, die sogar schon auf einem Elefanten geritten ist.

So, da sind wir. Aus 2000 Meter geht das Unterwassergebirge auf bis zu knapp unter der Wasseroberflaeche. Da werden Traeume aktiviert. Mein liebster Albtraum beim Segeln, vor allen Dingen nachts ist das Floss an der Seite der IRON LADY, ein paar Planken, ein altes Holfass, alles durch fasrige Hanfseile zusammengehalten. Auf dem Floss, drei Schiffsbruechige aus 1648, verflucht fuer immer auf dem Meer zu leben, niemals sterben zu duerfen. Koerper die der jahrhundertelangen Verrottung zu trotzen versuchen. Ein Holzbein, ein Haken am Arm, eine halbverfaulte Hand greift nach der LADY, nach mir, nach meinem Kind und meiner Frau. Dazu der durchdringende Gesang, das Geheule, Gejohle, wie die Heulbojen bei Nebel an der Suedenglischen Kueste. Ich wache erschreckt auf setzte mich hin, schlage mit der flachen Hand auf meinen Hinterkopf. >>Eh, weg da. Es reicht. Ich will schlafen.<< Kaum liegend geht es wieder los, diesmal sind es die Seeungeheuer, die Riesenkraken, die genau an solchen Stellen wie dieser Untiefe, nachts an die Oberfläche des Meeres kommen um Seeleute wie mich mit Ihren Saugnaepfen zu greifen, mit ihrerm sauren Magensaft aufzuloesen und einfach aufzusaugen. >>O.K. Natale, ich uebernehme den Rest Deiner Wache.<< >>Wassen los?<< >>Ach ich traume schon wieder von den Verfaulten. Maya faengt an auf mir rumzukrabbeln und die Schoten schlagen gegen die Wanten, weil der Wind wech is. Da hocke ich lieber im Cockpit.<< Meine Frauen sind doch immer toll. Klar, vollkommen unkompliziert. Aenderung der Wacheinteilung. Hat sie toll geschrieben. Es kommt gar nicht dabei heraus, dass ich zwei Wachen in der Nacht habe und die Capitana nur eine. Statt sechs Stunden Schlaf nur noch vier fuer den Skipper. Kein Wunder das ich da schlecht traeume. Doch is schon o.k. so. Dafuer muss Natale den ganzen Tag Gaga machen wenn ich an den Schoten rumzurre. Und ich kann ja auch tagsueber schlafen oder spaeter halt, wenn wir angekommen sind. Oder so. Oder so aehnlich… Strom ist alle. Der Tag beginnt in 30 Minuten. Ich muss was tun.

Nachmittags war es wieder ziemlich ruppig, noch hoeher an den Wind und hoehere Wellen. Maya macht das alles ueberhaupt nichts, auf ihren kurzen Beinchen steht und krabbelt sie durch das Schiff, beschwert sich kurz wenn sie umfaellt, um aber gleich wieder aufzustehen und íhren Erkundungsgang fortzusetzen. Alles viel einfacher, als wir gedacht hatten. Das einzige Problem ist, dass wirklich immmer einer auf sie aufpassen muss. Das erfordert Organisation, aber jetzt, nach 4 Tagen haben wir unseren Tag einigermassen organisiert. Unser 3 Stunden Wachwechsel hat sich geaendert, stattdessen schlafe ich nun von 8 bis 11, Micha von 11 bis 3 und ich dann wieder bis 7. So hat jeder von uns einmal 4 Stunden am Stueck zum ausruhen, was sehr angenehm ist. Auf laengeren Strecken kommt mit Sicherheit noch der ein oder andere Powernap am Tag dazu, aber zur Zeit geht es so ganz gut.
Der Wind hat mittlerweile nachgelassen, wir duempeln ein bisschen durch die Nacht und naehern uns langsam einer riesigen Untiefe. Aus ueber 2000 Metern Tiefe steigt hier der Meeresboden bis zu einem Stein in 11 Metern auf. Was dort wohl alles lebt? Mit Sicherheit ein guter Ort zum Fischen. Bei 3 Knoten Geschwindigkeit werden wir allerdings nicht unbedingt etwas fangen! ;-)






  • 02:13
  • 16.02.2006
  • 11°13.14'N, 093°39.82E
  • Indischer Ozean
  • Andaman Islands India
  • 30,5°C
  • 2-3 NNE
  • 1-2

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