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Schwerwettertraining mit der YACHT. MARLIN definiert Bewegung neu.

Das ist Kristina.

Kristina ist nicht mein Alter. Kristina kann keine Knoten, weil sie nicht, wie alle anderen, mit Knoten fotografiert werden will. Kristina fotografiert hier auf der MARLIN jeden Pups von vorne und von oben und von hinten. Kristina ist Volontärin bei der YACHT und segelt diese wundersame Segelreise mit der MARLIN mit. Wie mit jedem anderen Crewmitglied, sind auch Kristina und ich uns näher gekommen. Nicht zu nah bitte. Denn zwei die gerne durch die maritime Linse schauen und dazu auch noch schreiben, können auch schnell aneinanderstoßen. Kristina gibt gerne Wiederworte und fragt berufsbeding natürlich gerne immer wieder nach. Ich habe Kristina lieb gewonnen, ihre Art passt zu ihr, fühle fast schon Zuneigung. Tolle Seglerin, tolle Kameradin. Respekt. Aber, ich muss zugeben, ich durchschaue die YACHT-Volontärin auch nicht und ich habe berufsbedingt schon mal auch Respekt vor dem was sie von der MARLIN in Bild und Text irgendwann veröffentlichen wird. Die Situation erinnert mich etwas an das Interview aus dem Jahre 2000, als die Redakteurin Christiane Sommer von brandeins auf der IRON LADY war. Den Artikel kann man sich unter Presse anschauen. Also behandle ich Kristina mit gebürtigem Respekt. „Ist sie jetzt nett zu mir aus Sympathie? Oder nur weil sie etwas aus mir herausbringen will, was ich ihr unter Umständen nicht preisgeben würde und will das dann verwenden um… „Stop! Wnuk!“, beende ich das Selbstgespräch an diesem Punkt. „Sie hat Dir nichts getan und macht nur professionell und gewissenhaft ihren Job. Außerdem segelt sie gerne und mit Dir, Deiner Crew und der MARLIN allemal.“ Kommt es aus meinem Hinterkopf.

MARLIN tuckert zwischenzeitlich gemütlich an der Bretangne vorbei Richtung Nantes, das ja weiter im Land liegt und jetzt haben wir uns auf die Marina Pornichet geeinigt. Also eigentlich hat mir Co-Skipper Bernhard diese so raffiniert ans Herz gelegt, dass ich nachher meinte sie selbst ausgesucht zu haben. Ja. Das kann der Bernhard. Wir haben wilde Zeiten hinter uns gebracht. Wie zu erwarten war die Abfahrt von Ile d’Ouessant höchst dramatisch. Morgens um drei ging es aus den Federn und um vier drehte sich der Bug der MARLIN wieder auf Kurs um die Westküste. Wind war keiner, dafür stockdustere Nacht, eine nervöse Crew und ein nervöser Skipper. Zu Recht. Die Wellen der Wirbelsturms standen noch wie am Tage zuvor, knallten gegen die Küste und reflektierten zurück. Eine Meile Sicherheitsabstand half auch nicht viel. Die Natur fing an Ping Pong Ball mit der MARLIN zu spielen. Skipperfehler. Wir sind ohne Stützsegel ausgelaufen. So schlimm hatte ich mir die Situation nicht vorgestellt. Die alte Welle steht mit gut 4-6 Metern und fast senkrechten Wellenflanken. Die Schiffsbewegungen sind heftigste, sogar die sonst so ruhige MARLIN fängt an sich wild aufzuschaukeln. Zwei meiner Mitsegler fangen an die Fische zu füttern und ich? Ich lege mich auch mal besser eine halbe Stunde in die Waagerechte. Kurze Zeit später falle ich vom Sofa als ein brachialer Kawensmann MARLIN auf die Seite legt und alles nicht niet- und nagelfestes durch die scheinbare Schwerelosigkeit innerhalb MARLINs fliegt. „OhHa!“ Ich stürze raus, zähle durch. „Puh!“ Alle noch da. Da kommt die Botschaft, die ich schon kenne. „Piiiiiiieeeeepp!“ Johann ist überhitzt. „Motor aus!“ brülle ich durch die finstere Nacht. Johanns Gerödel erstirbt und jetzt wird MARLIN erst recht zum Spielball. „Klar machen zum Setzen des Großsegels!“ Jetzt mal nicht den Joystick loslassen Micha, sonst gibt das eine Verkettung von unglücklichen Problemen, die nicht zu einem guten Ende führen. Ich meine zu merken, wie die Mannschaft die Führung als Sicherheit bewertet. „Nicht nachdenken. Machen.“ Meter für Meter, die Schaukelbewegungen des Schiffes ausnutzend, findet das Großsegel seinen Weg bis zur zweiten Saling. „Mensch, wird es denn heute nie hell?“ Ich weiß wie sich meine Crew fühlt. Scheiße.

Die Genua, als Vortriebssegel, reicht nicht aus um MARLIN in die richtige Richtung zu bringen. Kein Wind. Neue Kaventsmänner spülen von der Seite über das Deck und rauschen die Süllkante runter bis übers Heck. MARLIN treibt in der aufkommenden Strömung mit einem Knoten Kurs Süd. Na. Wenigstens etwas. Wir halten uns frei von der Küste. In der heftigen Welle von vorhin ist der Kühlwassereinfluss in der Mitte des Kiels mit Luft in Berührung gekommen, die Wassersäule ist schlagartig unterbrochen, die Maschine bekommt ordentlich Luft und der Impeller kann nicht mehr fördern. Kennen wir ja schon. Aber! Es hat keiner gemerkt. Auch ich nicht. Jetzt ist der Motor so heiß, dass im Motorraum Ölqualm steht, der mir den Atem nimmt. Die 100er Abgasrohre sind unantastbar heiß. „Komm Schatzi. Du funktionierst noch. BIIIIITTE!“ Die Frage ist, ob der Impeller noch soweit o.k. ist, dass er Wasser fördern kann. Über unsere Süßwasserpumpe und eine gewisse Ventilkombination drücke ich Süßwasser in das leere Kühlsystem des Motors. „Komm Schatzi. Du funktionierst. BIIIIITTE! Ich mach es auch nie wieder Johann.“ Es gluckert im Wassersammler des Auspuffsystems. Jetzt. „Motor an!“ Ja. Ich schreie. Tue ich nicht gerne aber sonst hört mich keiner. Johann startet. Ich spiele mit dem Zulaufventil. Auf. Zu. Im Wasserfilter sehe ich wie zögerlich Wasser angesaugt wird. Dann kräftig. Dann hört es wieder auf. Die Brauchwasserpumpe läuft die ganze Zeit mit und kühlt Johann mit Süßwasser, damit es jetzt nicht einen Kolbenfresser gibt und wir manövrierunfähig auf die offene Biskaya getrieben werden. „Schöne Story wird das. Supertoll“, schimpfe ich mit mir selbst. Da kommt ein dicker Wasserstrahl in den Filter und es geht los. Johann läuft wieder. Alles gut.

Ich strecke meinen Kopf aus dem Zugang zum Motorraum. „Alles gut. Weiterfahren.“ Am Himmel wird es langsam heller. Es fängt an zu regnen, Segelwind setzt langsam ein und der Schwell nimmt langsam ab. MARLIN nimmt Kurs auf Richtung Nantes. Ja. Wir mussten Ile d’Ouessant zu dem Zeitpunkt bei Stillwasser verlassen. Sonst wäre es noch viel schlimmer geworden. Und darüber ob an diesem spooky place das beim Auslaufen Großsegel geholfen hätte, ich wage es zu bezweifeln. Eine Freakwave im Segel, die den Mast auf die Wasseroberfläche drückt, ist vielleicht noch viel schlimmer. Fünf Leuchttürme zieren Ile d’Ouessant, hunderte von Wracks liegen um die Insel herum verteilt. Wir sind nicht dabei. Gut so.

An dieser Stelle muss jetzt mal ein bisschen Werbung sein. Die Atlantiküberquerung mit der ARC vom 12.11.2017 – 16.12.2017, Las Palmas nach St. Lucia hat noch zwei freie Plätze. Leider sind zwei Mitsegler, aus dem einst vollgebuchten Trip aus gesundheitlichen Gründen abgesprungen. Das ist Deine Chance. Wenn Du Zeit und Lust hast und den Mehrwert der MARLIN erkennst, meldest Du Dich am besten über das Kontaktformular.



Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com


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  • 23:30:00
  • 17.10.2017
  • 47°43.4300'N, 004°02.0100’W
  • -°/ 0 kn
  • Bretagne / FR
  • Pornichet
  • 20°C
  • 1m

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