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Beerensuche

Überlebenstraining

In Ermangelung eines Fernsehers mĂŒssen wir hier unten notgedrungen unser eigenes Dschungelcamp eröffnen, Reality TV zum Anfassen und Mitfrieren.

Der eingefleischte Patagoniensegler, zu denen wir uns mittlerweile zĂ€hlen, lĂ€sst sich auch von 8°C Außentemperatur nicht davon abhalten, in einer geschĂŒtzten Bucht ein schönes Lagerfeuer fĂŒr ein zĂŒnftiges Asado anzuzĂŒnden. Wozu hat man schließlich TechnikunterwĂ€sche, doppelwandige Socken, Gummistiefel, WollmĂŒtzen, Goretex und Co. den weiten Weg mitgeschleppt. In unserer Bilge lagert vakuumverpacktes argentinisches Rind, die Crew von KLEINER BÄR hat eine Lammschulter in Puerto Williams gekauft und ein paar Kartoffeln finden sich auch noch, mehr braucht der SĂŒdamerikaner nicht fĂŒr ein echtes Asado. Feuerholz gibt es genug und wĂ€hrend die Erwachsenen sich mit ausgestreckten HĂ€nden und einem Glas Roten um das Lagerfeuer sammeln, verschwinden die Kinder in das Unterholz, bauen eine typische FeuerlandhĂŒtte und spielen mit imaginĂ€rem Pfeil und Bogen Yaghan Indianer auf der Robbenjagd. Viel erlegt haben sie anscheinend nicht, denn pĂŒnktlich zum Anschnitt der saftigen Lammkeule kommen alle vier wieder angestĂŒrmt. Das Feuer brennt schnell runter und ohne die wĂ€rmende Glut wird auch uns kalt, die Sonne geht hinter den Bergen unter und wie die Wiesel verschwinden die beiden Besatzungen wieder in ihre wohlgeheizten Höhlen, sprich Kojen. Nochmal kurz die Außentemperatur gecheckt: 3°C. Wir sind ja verrĂŒckt.

Heute Morgen geht es weiter mit dem Überlebenstraining. Lena hat nĂ€mlich gestern beim Landleinenmanöver mit Papa Magellan-Erdbeeren entdeckt. So heißen die wilden Beeren, die von Form und Geschmack eher an Himbeeren erinnern, wĂ€hrend BlĂŒten und BlĂ€tter denen der Erdbeere Ă€hneln. Die Beeren zu ernten ist ein ziemlicher Zeitaufwand, da sie hĂ€ufig tief im Moos versteckt wachsen und von außen nicht zu sehen sind. Doch Lena hat wirklich ein gutes Feld entdeckt, so dass wir eine ganze Tasse voll sammeln können. Wir sind ganz froh, dass wir nicht auf das Beerensammeln zum Überleben angewiesen sind, sondern sie dafĂŒr benutzen, Magellanerdbeeryoghurt mit Sahne herzustellen. Yummie!

Und wann geht es weiter? Geplant war ein weiterer Schritt Richtung Kap Horn, in den drei Stunden entfernten Puerto Torro, doch kaum haben wir Landleinen eingeholt und das Dinghi an Bord genommen, frischt der Wind auf. Es blĂ€st konstant mit 35 Knoten, in Böen sicher mehr. Brauchen wir das? Nee, warten wir ab. Morgen sieht es gut aus, gut um die Bahia Nassau zu durchqueren, 10 Meilen nĂ€her dran wĂ€re schön, aber zwei Stunden frĂŒher aufstehen geht auch, um 4 wird es schließlich hell.




  • 16:10:00
  • 01.02.2012
  • 54°56.2735S, 067°17.6521W
  • -°/-kn
  • Tres Mares / Chile
  • Cabo Horno / Chile
  • 16°/984hpa
  • 35kn/W
  • -m

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