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Long Walk

Hügel für Hügel

Für die beiden deutschen Volontärinnen, die in einem Waisenhaus in der Nähe von Durban arbeiten, hat Aiden eine Village Tour für den heutigen Morgen organisiert. Wir schließen uns gerne an, denn auch wenn wir hier in der Gegend ohne Probleme alleine durch die Dörfer laufen könnten, ist es doch gut, jemanden dabei zu haben, der sich auskennt. Ich glaube die größte Gefahr, die wir hätten, wäre die, uns zu verlaufen. Mit einer Wegbeschreibung á la: „Hier über den Hügel, an dem pinken Rondavel mit dem Reetdach vorbei, an den türkisen Hütten links, am Maisfeld entlang und dann über den nächsten Hügel zum Meer”, könnten wir nicht viel anfangen, denn so sieht es hier überall aus.

Unser Führer trifft gegen 9 Uhr ein und langsam setzt sich der gesamte Trupp in Bewegung. Einen Kindergarten gibt es, eine kleine Hütte mit Schaukel davor, doch die ist zur Zeit geschlossen, Schulferien. Dafür sind die nächsten Nachbarn , gleich auf dem Hügel damit beschäftigt Xhosa Bier zu brauen, 3 große, schwere, gusseiserne Töpfe stehen auf dem Feuer vor dem Haus und in ihnen braut etwas, das aussieht, wie ein Hexentrank. Es schäumt und brodelt. Mais wird gestampft, mit Hefe vermischt, eine Stunden lang auf dem Feuer gekocht und dann in große Kanister abgefüllt. 7 Tage dauert es, bis das Bier fertig gebraut ist. Ich nehme an, es ist ähnlich wie mit unserem Reiswein, den wir auf Chagos gebraut haben, je länger man ihn stehen lässt, desto besser schmeckt er.

Doch hier wird das Bier recht frisch getrunken, entsprechend hefig und säuerlich soll es schmecken. Wir ziehen weiter, hinter den nächsten Hügel, kaum 20 Minuten sind wir unterwegs und schon kann ich nur mehr ahnen, in welcher Richtung unser temporäres zu Hause liegt. Von Haus zu Haus ziehen, überall schütteln wir Hände, versuchen uns in den Willkommensfloskeln auf Xhosa mit den typischen Klicklauten, die nur holperig über unsere Zungen wollen. Die Einheimischen lachen, wir auch. Maya und Lena sind etwas überfordert, denn weiße, blonde Kinder sind hier nur selten unterwegs, dementsprechend häufig und ausgiebig werden sie angestarrt, verkriechen sich hinter meinem Rockzipfel. Angst vor der Hautfarbe ist das nicht, bei 10 weißen Frauen, sie begeistert auf sie zu rasen würden, um sie auf den Arm zu nehmen, wäre die Reaktion die Gleiche.

Unser Village Guide führt uns weiter bis in die nächste Bucht, hier stehen die Fischer für gewöhnlich mit ihren Angeln auf den Felsen, eine Flussmündung bildet eine sanfte Lagune, bevor sie ins Meer fließt, dichter Wald steht im Tal läng der kleineren Bäche, die den Fluss auf seinem Weg ins Meer treffen. Wie sind schon lange unterwegs, keine Wege für die Einheimischen, die fast alles zu Fuß zurücklegen müssen, da es kaum Autos gibt, die diese schlechten Strassen fahren können. Unsere Kinder halten sich tapfer. Wir schlagen den Rückweg ein, durch den Wald, in dem wie aus dem Nichts Kühe auftauchen, Lena findet einen Käfer und Grashüpfer nach dem anderen, ihre Leidenschaft.

Unser Führer zeigt uns sein Haus, mit den Eltern und Geschwistern lebt er dort. Die Toilettenhäuser sind von außen besonders schön bemalt, nur benutzen sollen wir sie nicht, nicht sauber genug, versichert er. Warum sie überhaupt so hergerichtet sind erfahren wir wenig später. Eine der Hütten vermieten sie an Gäste. Homestay nennt man das hier in Südafrika. So eine Hütte inklusive Verpflegung kann man für umgerechnet 20 Euro pro Person vermieten, eine Menge Geld, hier in der ländlichen Transkei. Ein Besuch im Krankenhaus kostet pauschal 2,50 Euro, egal ob ein Zahn gezogen, ein Arm eingegipst oder eine Wunde verbunden werden muss.

Die Kinder werden müde, daher schlagen wir den Rückweg ein. Nur noch über diesen Hügel, wir nehmen die Abkürzung. Von wegen, noch ein Hügel und noch ein Hügel und immer denke ich, hier waren wir doch schon mal. Mittlerweile haben wir wie die Rattenfänger von Hameln eine Traube Kinder bei uns, jeder, der eine Hand frei hatten hat nun ein Kind an der Hand, auch Maya. Fotos machen ist nicht mehr möglich. Eine Einladung zum Xhosabiertrinken müssen wir leider ausschlagen. Unsere kleinen Damen sind nach 3 Stunden bergauf-bergab rechtschaffen müde und wollen nur noch eins – nach Hause.

Der Nachmittag bringt noch mehr Begegnungen mit Locals am Strand, die sich dort in der Abenddämmerung zum Volleyballspielen am Strand treffen. Wir sind heilfroh, dass wir diesen langen Anfahrtsweg auf uns genommen haben und hier sind. Uns endlich wirklich in Afrika fühlen. Abends diskutieren wir noch lange auf der Terasse über die Sicherheit in Südafrika, wie viel Panik verbreitet wird, wie unsicher man sich fühlt, wenn man gerade angekommen ist. Ich weiß noch wie es war, als wir gerade in Richardsbay angekommen waren. Nach 5 Jahren Reisen in den verschiedensten Gebieten der Welt, in Großstädten, die nicht minder gefährliche waren, wenn man die Regeln nicht kannte. Noch nie hatten wir uns so unsicher gefühlt wir hier. Und auf einmal, hier im hinterletzten Winkel der Transkei, die früher als das gefährlichste Gebiet schlechthin galt, erleben wir auf einmal was Sicherheit bedeutet.

Nathalie




  • 23:00:00
  • 09.01.2011
  • 32°04.0940'S, 029°05.1640'E
  • -°/kn
  • Wild Lubanzi / Transkei / South Africa
  • Drakensberge / South Africa
  • 25°/-hpa Stars
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