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Organisierte Touristentouren sind ja so etwas wie organisiertes und lizenziertes Verbrechen aus der Sicht von Individualtouristen, wie zum Beispiel Weltumseglern. Unser heutiges Erlebnisziel ist der Sani Pass, einer der wenigen Möglichkeiten das Königreich Lesotho zu erklimmen. Mit dem normalen Mitwagen, in unserem Fall einem kleinen Kia, mit noch kleineren Rädern, ein Ding der Unmöglichkeit sagen die Reiseführer. Wir glauben das, nehmen es als gegeben hin und checken ein bei >>Sani Pass Tours, seit 1965<< Mit einigen anderen, Canadianern, Landsleuten mit Stock im Arsch, einem Portugiesen und einem indischen Pärchen, teilen wir uns einen dicken Vierradangetriebenen Aussichts-Offroad-Dingsda und los geht die Fahrt den Pass hoch. Majestätisch stehen die Drakensberge über einem, die Alpen von Südafrika. Es geht Serpentine um Serpentine hoch, der Weg wird deutlich schlechter, Maya schläft auf dem Arm ein und ich habe Schwierigkeiten, Ihren Kopf festzuhalten, mich im Sitz zu halten und Mama Natale nett anzulächeln. Es ist schon beeindruckend und im Konvoi von drei Fahrzeugen werden auch die Etappenpausen bestrichen, Fotos gemacht, von uns, von Maya, der Mama und den Bergen. Oh, ich hasse organisierte Touritouren, aber das hätten wir wirklich weder mit dem Kia, noch zu Fuß geschafft. Also Toleranz aufbauen, Individual ade, Zähne zusammenbeißen und durch. Der Fahrer, dessen Namen ich vergessen habe, schalten den Vierradanrieb ein.. Noch ein bisschen mehr Rappelei, Abenteuer pur. Nur die Toyota Transportbusse mit 12-18 Lesotho Schwarzen vollkommen überladenen, drängeln sich ohne Vierradantrieb immer wieder am Aussichts-Offroad-Dingsda vorbei. BUM BUM dröhnt der Bass der Anlagen, auf der Rückbank sieht man fünf schwarze Waschweiber kreisen und lachen. Bei uns ernste Blicke, alle halten sich am Gehäuse Ihrer neuen Sony, Nikon oder Schubbeldei Digikamera fest. Kein BUM BUM. Da wird mir klar, dass wir in Süd Afrika wahrscheinlich zum ersten Mal in fünf Jahren einen großen Fehler machen. In Süd Amerika, säßen wir nämlich jetzt in dem abgedrosschenen Toyota, der uns gerade überholt, zwischen Hühnern und wild aussehenden Locals und würden das kennenlernen, was kein Touri kennenlernen würde, die Mama aus Lesotho mit den sechs Kindern, die uns zum Abendessen einlädt oder den schwarzen Geologen, der dort oben in den Drakenbergen Steine auf der Suche nach anderen Steinen umdreht. Hier in Süd Afrika geht das nicht, meinen wir, reden uns die Weissen ein, die Touristenführer, die >>Sani Pass Tours, seit 1965<<, weil wir deren Business sin. Mit dem Toyota kostet die Fahrt wahrscheinlich 3 Euro, mit >>Sani Pass Tours, seit 1965<< 30 Euro plus Spesen. O.K. Ich halte das im Kopf, da gibt es etwas, worüber wir wirklich noch mal nachdenken sollten. Ich halte mich wieder an unserer Nikon fest und versuche bei dem Gewackel einen 2D Schuss zu machen, der die 3D Erinnerung festhalten soll, den gewaltigen Berg über mir. >>Joah!<< so zwischen der Nase und dem Rachen gesprochen sagen die Südafrikaner, wenn sie irgendwas toll finden, begeistert sind oder einfach nicht mehr weiter wissen in der Kommunikation. >>Joah!<< >>Joah!<< Wir erreichen den Pass. 2873 Meter über dem Meeresspiegel. Wir haben die aufregende Fahrt überlebt. Ob wir einen Orden bekommen? So wie der ARC, wo der Pokal schon in den Teilnehmergebühren einkalkuliert ist. Altes Lästermaul, der Wnuk. >>Joah!<< Weiter geht es, unser Fahrer kennt sich hier aus. Eine unique Lesotho Familie soll besucht werden. Steppe. Kein Busch, kein Strauch auf der Hochebene der Drakensberge, ein paar Eingeborene reiten auf schönen Pferden, unser Fliwatüt bewegt sich zielstrebig auf ein Dorf, eine Hütte zu. Drumherum: Müll. Elende Armut wie bei den Eskimos, den Indianerreservaten, auf Samoa, so machen Hütten die wir schon gesehen haben während unserer Reise. Drinnen, genau Platz für die Touristen der drei >>Sani Pass Tours, seit 1965<< Autos und ein geschrubter Boden, ein gestrichene Wand. Häh? Ich schaue mich um. In der Mitte steht ein Gusseiserner Topf mit Brot. Wir bekommen von dem Brot aus einem Plastikeimer jeder ein Schluck vom selbstgebrauten Bier. Alle aus einer Tasse. Igitt.. Jetzt könnte ich meinen Helico Bacter Bazillus weiter verteilen. Grinz. Ich schaue der Deutschen mit dem Stock im Arsch beim probieren zu und am Ende geht eine Blechtasse rum für Spenden. Ich könnte beschwören dass 90 Prozent davon in der Tasche unseres Fahrers landen, kann man es ihm verübeln? Er wird wahrscheinlich von >>Sani Pass Tours, seit 1965<< so schlecht bezahlt, dass er sich was einfallen lassen muss. Maya sitz als blonde Attraktion zwischen einer Horde lokaler Kidis, wird bezupft und begafft und Natales Blick klebt auf deren dreckigen Haut der kleinen Kinder, den Furunkeln und den verfaulten und ausgefallenen Milchzähnen. Ich kenne den Blick schon. Fünf Kilogramm Milchpulver im Monat würden diesem Dorf so sehr helfen, es ist schier unglaublich, das dieses Dorf so arm ist, wenn doch jeden Tag hier mindestens 20 Touristen die Hütte mit dem Bier und dem Brot besuchen. Ob der Fahrer, der die vermuteten 90 Prozent der Spenden den Sani Pass wieder mit hinunter nimmt, das verstehen würde? Genauso unwahrscheinlich wie, das Weisse und Schwarze Menschen in Süd Afrika plötzlich miteinander leben und nicht apathisch nebeneinander. Zu guter Letzt werden wir ins >>Sani Top Chalet>> verfrachtet. Bitte das Menue während der Fahrt schon mal aussuchen. Fahrtfood. Damit es schneller geht. Keiner muss warten. Der Zettel mit den Bestellungen rauscht an mir vorbei. Burger Grün und Gelb. Natale gestellt das Curry, ich die geräucherte Forelle. Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese >>Sani Pass Tours, seit 1965<< nichts für uns sind. Wir haben verlegt. Nicht mit der LADY. Unser B&B Häuschen war belegt und wir müssen im Pfahlhaus übernachten. Das war gerade leer und wir bekommen das 11 Betten Häuschen für den Drittel des Preises. Glück gehabt. Steve drückt uns den Schlüssel in die Hand. >>Da hinter dem Berg. Ihr seht es erst wenn ihr dahinter seid.<< Das Haus ist im Besitz eines bekannten Urologen aus Johannesburg. Kaum über den Berg ändert Natale abrupt Ihre Zukunftspläne: >>Ich werden Arzt in Johannesburg!<< Das woran ich seit fünf Jahren arbeite, passiert plötzlich und unerwartet. Vor uns raucht der Gebirgsfluss durch ein Tal, ein wunderschönes Chalet steht direkt am Fuße, Berge wie auf dem XP Standardbildschirmschoner umgeben das ganze Scenario. Innen eine Villa, ein Traum, drei Badezimmer, ein riesiges Wohnzimmer, ein Balkon mit Bachblick. Umwerfend. Hoffentlich macht Nathlie ihre Drohung wahr.




  • 20:23
  • 04.01.2007
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  • Underberg/Süd Afrika
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