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Seelensalbe

19:58 Danke, danke fuer die Seelensalbe im Gaestebuch und via Mail direkt. Schoen dass es Leser gibt, die aehnlich denken wie ich und einfach ein paar salbenden Zeilen schreiben. Jetzt ist aber auch gut mit Leiden. Will das erlebte eigentlich vergessen und lieber auf zu neuen Taten zuschreiten.

Naechste Tat ist das Drucklager, das den Druck des Propellers beim motoren aufnimmt und auf das Boot uebertraegt. Einfache Sache, ein paar Schrauben loesen und das Ding abziehen, Lager ausmessen, Nummer aufschreiben und neues organisieren. Kopfueber liege ich auf den Bodenbrettern, der Oberkoerper verschwindet in der Bilge. Prima Position. Kamasutra? Die Welle ist zwischen zwei Halbschalen eingeklemmt, doch rauskommen will die da nach 20 Jahren nicht. Erst mal den Propeller mit einem Seil sichern, also im schlammigen Flusswasser Blindtauchuebungen. Aufregende Sache. Waehrind ich mit der Flasche unter Wasser an der Lady rumgrapsche, denke ich an die monstroesen Seeschlangen, die wir in Bali gesehen haben, an Krokodile und so weiter. Aber die sehen ja auch nix, also no Panic. Von Aussen versuche ich den Propeller zu bewegen und die Welle zurueckzuziehen. No way, das Ding bewegt sich kein Stueck. Nach Stunden gebe ich auf, gehe im Village ein Brocken essen. Also Abziehvorrichtung bauen. Aus Eisenholz ein Distanzstueck schneiden. Es wird Dunkel. Wie der Tag ist schon vorbei? Also Morgen weiter…

Abneds sitze ich wo? Auf der NIN. Mikel ist gegen Mittag auch wieder eingelaufen. Bis 20 Meilen vor das Leuchtfeuer, den Eingang zu Karimantanstreet ist er gekommen, dann hat ihn die Stroemung gepackt. Gegen die 2-3 Meter Welle, 20 Knoten Wind aus West, unangenehm kurz auf 30 Meter Tiefe, gegen 2 Knoten Stroemung hat die NIN dann noch 1 Knoten nach vorne gemacht unter Motor und Segel. Dann eine Sinflutartige Regenfront fuer drei Stunden und Mikel hat umgedreht. Wenn ich jetzt doof waere, wuerde ich wie so viele sagen: >>Hab ich doch gleich gewusst.<< ;-) Ne, hab ich noch nicht einmal gedacht. Mikel meint zwar, dass es fuer mein Ego bestimmt besser ist, dass er auch umdrehen musste, aber ich hab auf die Diskussion wirklich keinen Bock. >>Wassen eigentlich mit eurem Visa?<<, schnell ist das Thema umgelenkt und wir trinken Tee auf der NIN. Ueberhaupt ist es eine alkoholfreie Zeit hier in Kumai. Es gibt moslemtechnisch nix zu kaufen. Mir tut das ziemlich gut, mal ne Pause und die Eigenproduktion von Wein ist auch ausgesetzt. Gibt wichtigeres zu tun. Da ist Jen, einer von der Familie mit den tausend Bruedern, die hier das Tourigeschaeft in den Haenden haben. An Kumai grenzt ein Nationalpark mit einer Aufzuchtstation fuer Orang Utas. Viele Touristen kommen ab Juni und Jen ist einer der Bootsbesitzer. Der Name ist >>Britannia<< und ich frage ihn wie es zu dem Namen kommt. Jen ist 33 und spricht recht gut Englisch, was hier wirklich selten ist, eine Freundin aus Australien, ach so geht das. Wie Freundin, mit oder ohne? Ja, manchmal, sie ist als Englischlehrerin in Hongkong. Hmm, mir wird vieles klar. Das Boot, eins dieser typischen indonesischen Holzschalen mit einem chinesischen Einzylinder, natuerlich ohne Auspuff (wenn so ein Teil an einem vorbeifaehrt meint man immer das ein Hubschrauber gerade zur Landung ansetzt), ist eine Donation (Spende), einer alten englischen Dame, die irgendwann mal hier war um die Orang Utas zu besuchen. >>Ich bin alt, habe ein bisschen Geld, werde irgendwann sterben und da komme ich mit meinem Geld auch nicht weiter.<< Also schickt ihm die Omi 1700 USD fuer das Boot, auf dem Jen jetzt lebt. Ich bin geruehrt. Tja, aber den Namen, den hat English Omi ihm verpasst. So faehrt die >>Britanna<< jetzt Touris, Backpacker und Wild Tourists, so wie uns, zu den Orang Utas. Einen Tag rauf den River in den Urwald, alle schlafen an Board und am naechsten Tag zurueck. 50 Dollar verdient Jen an einer Fahrt, den Rest der Einnahmen verschlingt der Guide, der Bruder, der Hafenmeister und was weiss ich, wer sonst noch alles hier wie ne Rupiah macht. Dafuer muss er das Boot in Schuss halten, den Sprit bezahlen und die Regenzeit ueberbruecken, in der keine normalen Touristen kommen, so wie jetzt. Jen ist eindeutig der Meinung das wir nicht normal sind. Hmm. Wie kommt er darauf. Mit den Papieren ist nen bisschen schwierig, ich bin ja eigentlich ausklariert. Harry, einer der tausend Brueder von Jen, macht auch den Agenten und meint trocken, dass ich ja einen Motorschaden habe, solange darf ich bleiben, wenn ich frage gibt es Probleme, wenn nicht, dann fragt wahrscheinlich keiner. IRON LADY auf dem Weg nach Singapore. Die Frage dort wird dann irgendwann heissen: >>Was habt Ihr den einen Monat auf See gemacht?<< >>Gefischt, wir hatten doch Hunger.<< Verrueckt, diese Welt und die Indonesier mit ihrer Buerokratie, ach eigentlich alle. Da Natale mit dem neuen Drucklager kommen soll, kann ich ja eigentlich vorher soundso nicht weg, es sei denn ich bekomme das hier. Aber erst einmal ist es ja noch gar nicht ausgebaut. Also sind wir hier ein bisschen illegal und nen neues Wetterfenster, da bin ich eh skeptisch. Sieht also schwer danach aus, als wenn wir hier erst wegkommen, wenn Natale wiederkommt. Und dann wohin und wie, wer weiss. Man wird sehen. Plaene sind dazu da umgeschmissen zu werden. Keine Plaene heute.




  • 19:58
  • 08.01.2005
  • 02°44.63S, 111°43.85E
  • Kumai/Kalimantan/Indonesien
  • -
  • 28,4°C
  • 2 W
  • -

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