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Lady in den Seilen

16:31 Ja, so kann es gehen. Eigentlich sollten wir schon laengst wieder im Wasser schwimmen und auf dem Weg nach Panama City sein. Aber manchmal kommt eben alles anders, als man denkt.

Nach Zahlen der Rechnung, den letzten Pinselstrichen und ausgiebiger Verabschiedung, wird die Lady ins Wasser gelassen. Waehrend der steigenden Tide raeumen Micha und ich das Boot auf und versuchen aus der Garage wieder Wohnraum zu zaubern.
Puenktlich zur Mittagspause ist es soweit, Hochwasser. Der Werftleiter, sein Stellvertreter und ein paar Helfer scharen sich um die Lady, um sie ohne einen Kratzer ihrem Element zurueckzugeben. Doch die Gute bewegt sich nicht ein Stueck. Wir warten und warten, auf ein paar Zentimeter Wasser mehr, doch nichts passiert. Die Boote an den Mouring drehen sich, das Wasser laeuft wieder ab! Ein Blick auf den Tidenkalender zeigt, dass wir bei 13.8 Fuss Hochwasser aufgeslippt haben. Fuer heute zeigt der Kalender nur 12.8 Fuss an. Na prima. Tiefer ins Wasser reichen zwar die Schienen fuer den Slipwagen, doch sind sie noch nicht ganz funktionstuechtig. Was bleibt uns uebrig, die Dame wird wieder ein paar Meter nach oben gezogen und im Buero beratschlagt.

Ausgerechnet heute ist der gute Senor Karnakis, el jefe, nicht da. Tochter, Werftleiter und Buchhalterin beratschlagen die kostenguenstigeste und beste Loesung. Heute um Mitternacht steigt das Wasser hoeher, sonst erst am Mittwoch morgen. Unser frisches Antifouling muss so schnell wie moeglich ins Wasser, sonst trocknet es aus. Nach langem hin und her steht die Entscheidung. Fuenf Maenner muessen heute nacht um 12 wieder antanzen, um die Lady zu Wasser zu lassen. Bis dahin haengen wir in den Seilen! ;-)

05:30 Unter dem Boot bekomme ich bei einem Windstoss eine Duene ;-) feinen Sand vom Sandstrahlen ins Gesicht geweht. Shit. Nachdem alles ausgewaschen ist geht es so einigermassen wieder. Kennt ja jeder. Das Schwierigste an so einem kleinen Unfall ist ja der Juckreiz. Trotz des Verbots der Schiffsaerztin mir die Augen zu reiben, mache ich genau dies wohl unbedacht in einem Moment und Schwupps hab ich mir irgendwelche Farbreste oder Verduenner in das Auge gerieben. Das Auge findet das gar nicht gut, es brennt wie Hoelle und an Arbeiten ist nicht mehr zu denken. Literweise kommt Traenenfluessigkeit raus und im Endeffekt hilft nur noch Auge mit Salbe einschmieren und mit Verband stilllegen.

Nach einer Nacht kann ich wieder sehen, der angedachte Krankenhausbesuch faellt wohl aus. Natale und ich sind echt am Ende unserer Kraefte, die Nerven liegen blank und trotzdem sind wir noch lieb zueinander. Wenn das nicht moeglich waere, wuerden wir uns wahrscheinlich die Koepfe gegenseitig einschlagen. Die Farbdaempfe von Antifouling-, Epoxy-, Zweikomponentenfarbe und den ganzen Verduennern machen einen total breit. Natuerlich haben wir keine Schutzmasken, koennte man bei 33 Grad auch gar nicht benutzen. Man arbeitet ja im Freien, aber die Aufkleber mit den Totenkoepfen auf den Dosen haben wohl Ihre Berechtigung, auch im Freien…

Heute muessen wir noch einmal richtig ran und dann sind wir hoffentlich fertig, oder anders gesagt, dann sind wir garantiert fertig mit den Nerven.

So ein Werftaufenthalt gehoert so mit zu den schlimmsten Dingen, die man beim Leben unter Segeln so erlebt, zumindest wenn man nicht das Geld hat die unangenehmen Arbeiten durch geschultes Fachpersonal ;-) ausfuehren zu lassen und sich in die naechste Bar setzt, Champagner bestellt und dann im Internet darueber lesstert, dass der einheimische Kellner aus Unwissen einen Korkenzieher dazuliefert. Aber wir wollen ja nicht meckern, die Sonne scheint uns gnaedig auf die Koepfe, das Bier ist billig und alles hat auch einmal ein Ende.

Ich freue mich gerade ueber mein zurueckerlangtes Augenlicht, auch wenn es noch ein bisschen brennt, ueber die fruehe Stunde meines Erwachens, die mir ein bisschen Computerarbeit ermoeglicht und schlage reflexartig eine Muecke an meinem Arm tot. Ob das eine Malariamuecke war? Hier, mitten im Urwald kommen einem da schon die eigenartigsten Ideen, wenn einem riesige Eidechsen, handtellergroße Grashuepfer und essloeffelgrosse Kaefer ueber den Weg laufen. Hoffentlich bleibt uns wenigstens neue Mitbewohner erspart, die uns Fahrtensegler meist bei Landaufenthalten begluecken.




  • 05:30
  • 26.01.2003
  • 08°55.49'N, 079°19.73'W
  • Rio Bayano/Panama
  • 26°C
  • N -
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